156 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Preussen erlitten, abgesehen, der Sieg bei Hochkirch den Oesterreicherngar keine andern Vortheile, und den Preussen keine andern Nachtheileverursachte. Die Lage beider Parteien war nicht im Mindesten geändert,das moralische Uebergewicht blieb auf Seiten der Preussen und Daun'sOperationen nach der Schlacht glichen mehr denjenigen eines Besiegtenals denen eines Siegers.
§.58.Der Marsch Friedrieh's nach Görlitz und Neisse.
Wie immer nach Unfällen und in kritischer Lage, so trat auch nachder Schlacht bei Hochkirch Friedrich's Genie mit besonderer Kraft her-vor und glänzte herrlicher als sonst. Nicht nur legte Friedrich nach jenerSchlacht eine ungewöhnliche Seelenstärke an den Tag, welche ungemeinviel zur Kräftigung des moralischen Elements in seiner Armee beitrug,er war entschlossener als vorher, seinen kühnen Operationsplan auszu-führen, nämlich durch Manövriren und indem er Daun's Flanke umgingund seine Communicationen bedrohte, seinen Gegner aus Sachsen zu ver-drängen und zum Entsätze Neisse's nach Oberschlesien zu marschiren.Diesmal war die Ausführung dieses Planes mit viel grösseren Schwierig-keiten verknüpft als bevor die Schlacht bei Hochkirch geschlagen war,weil Daun's neue Position in der Nähe des Lagers der preussischen Ar-mee, zwischen Beigern und Jenkwitz, sich befand, Friedrich folglichangesichts der österreichischen Armee manövriren musste. Mit Gewaltsich nach Schlesien durchzuschlagen war unmöglich, weil die preussi-sche Armee im Vergleich zu der österreichischen viel zu schwach unddie schon an und für sich starke Position Daun's noch auf das Sorgfältigsteverschanzt worden war. Aber Friedrich hoffte bestimmt, dass die Un-entschlossenheit und Bedächtigkeit Daun's sowie die Langsamkeit derösterreichischen Armee in ihren Bewegungen und Operationen einerseitsund die Geschicklichkeit der preussischen Truppen im Manövriren undin der Ausführung schneller und kühner Bewegungen und Operationenanderseits es ihm ermöglichen würden, Neisse zu entsetzen und nachSachsen längstens in drei Wochen wieder zurückzukehren, während wel-cher Zeit Dresden, in dessen Nähe die Armee des Prinzen Heinrich ge-blieben wäre, wie er voraussetzte, sich mit Erfolg zu halten vermocht hätte.
Da die russische Armee sich damals schon anschickte, Winterquar-tiere zu beziehen und die Schweden sich nach Boitzenburg (s. w. u.) bege-ben hatten, beschloss Friedrich den General Manteuffel mit nur 6000 Mannin Pommern zu belassen und den Generalen Dohna und Wedel zu be-fehlen mit den übrigen Truppen nach Sachsen zu gehen um die Armee des