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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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5. Der siebenjährige Krieg. 155

Armee zu vereinigen. Gleich darauf trat Friedrich mit seiner ganzenArmee langsam den Rückzug an, der in Staunenswerther Ordnung aus-geführt wurde: die ganze Reiterei, unter dem Befehle Seydlitz's undZiethen's, stellte sich in zwei Treffen mit grossen Escadrons-Intervallenvor der Armee auf, um die Deckung des Rückzuges zu übernehmen.Darauf zog sich die ganze Infanterie mit dem Train und den Verwunde-ten in zwei Marschcolonnen an die kleine Spree zurück, die sie bei Bursch-witz und Klein-Bautzen überschritt; hinter der Infanterie folgte die Rei-terei, und Retzow, der bei Beigern aufgestellt war, sicherte den Rückzugder Reiterei und zog sich zuletzt als Arrieregarde zurück. Alsdann nahmdie ganze preussische Armee auf den Anhöhen von Kreckwitz oder demSpitzberge derart Aufstellung, dass sie in der Fronte und in beiden Flankendurch die Dörfer Burschwitz, Klein-Bautzen und Preititz sowie durchTeiche und die kleine Spree gedeckt war. Die Ordnung, in welcher diepreussische Armee ihren Rückzug ausführte, sowohl wie die grosse Ver-wirrung, in welcher die österreichischen Truppen nach der Schlacht sichbefanden, waren Ursache, dass Daun den Rückzug der Preussen nichthinderte. Er beorderte den Prinzen von Durlach nach Weissenberg undbezog, einen Theil seiner Truppen auf dem Schlachtfelde zurücklassend,sein früheres Lager bei Kittlitz. Beide Armeen hatten sehr bedeutendeVerluste zu beklagen: die preussische verlor 246 Officiere und 8850 Sol-daten anTodten, Verwundeten und Gefangenen, 101 Geschütze, 30 Fah-nen und einen grossen Theil ihres Trains, während die österreichischeArmee, abgesehen von den Gefangenen und Desertirten, 325 Officiereund 5600 Soldaten an Todten und Verwundeten einbüsste.

Der Sieg in der Schlachtbei Hochkirch gehörte unstreitig den Oester-reichern, weil die plötzlich angegriffene preussische Armee gezwungenward, das Schlachtfeld mit grossem Verluste zu räumen. Zieht man aberin Erwägung einerseits, dass Daun, ungeachtet seiner Ueberlegenheit anStreitkräften und aller ihn begünstigenden Umstände, Friedrich vonBautzen und Dresden nicht abschnitt, ihm in der Schlacht und nach der-selben nicht eine grössere oder gar völlige Niederlage beibrachte undnachdem er gesiegt seinen Feind nicht verfolgte, sowie andererseits,dass Friedrich, in einer für ihn unvortheilhaften Aufstellung angegriffen,trotz der Missgunst der Verhältnisse und obwohl seine Streitkräfte schwachwaren, es dennoch verstanden hatte, mit Ehre den Kampf zu bestehen,zur rechten Zeit denselben einzustellen und durch seinen in grösster Ord-nung bewerkstelligten Rückzug vom Schlachtfelde seinen Gegner in Zag-haftigkeit und Unthätigkeit zn versetzen: so wird man zugeben, dass dieSchlacht bei Hochkirch oder wenigstens' das Ende derselben Friedrichund seinen Truppen eher zur Ehre gereicht als Daun, um so mehr als,von dem Verlust an Menschen und der materiellen Einbusse, welche die