152 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Verbindungen unterhielt, war in der Position von Stolpen vor einem Ueber-falle seitens der Preussen vollkommen sicher, umgab sich auf allen Seitenmit Detachements und erwartete ruhig die Eroberung von Neisse und denAusgang der Operationen in Sachsen und der Lausitz. Friedrich's Lagewar kritisch. In Sachsen bleiben, um die Verbindung mit dem PrinzenHeinrich zu unterhalten, hiess zugeben, dass die Oesterreicher Neisseeroberten, das obere Schlesien einnahmen und sich dort festsetzten; sichaber von der Elbe entfernen, um Neisse zu entsetzen nnd Oberschlesiensicherzustellen, hiess Daun die Möglichkeit gewähren, nach Entfernungder preussischen Hauptarmee von der Elbe, gemeinschaftlich mit der Ar-mee des Herzogs von Zweibrücken das kleine Heer des Prinzen Heinrichzu erdrücken, Sachsen und die Lausitz zu besetzen und sich den Wegnach Berlin zu eröffnen. Wohl wissend, welch grossen Werth die Oester-reicher überhaupt und der vorsichtige Daun insbesondere auf die Ver-bindung mit ihren rückwärts befindlichen Magazinen legten und wie sehrsie die gegen ihre Etappenstrassen gerichteten Operationen fürchteten,beschloss Friedrich unter den so schwierigen Umständen durch Manövri-ren gegen die rechte Flanke, den Rücken und die CommunicationenDaun's mit den Magazinen in Zittau und Gabel die Oesterreicher zunächstohne Kampf zu zwingen, die Position von Stolpen zu verlassen und sichvon der Elbe und aus Sachsen zu entfernen, und dann, wenn nöthig.selbst zum Entsatz Neisse's vorzugehen. In Folge dessen unternahm erin den ersten Tagen des October mit seiner Hauptmacht einen Flanken-marsch über Rathenau (in der Gegend von Bischofswerda) nach Bautzen,nachdem er zuvor den General Retzow mit 15 Bataillonen und 35 Esca-dronen vorausgeschickt hatte. Laudon, der mit seinem Detachement beiRadeberg aufgestellt war und so der preussischen Armee den Weg nachBautzen verlegte, wurde von Retzow gezwungen, sich nach Stolpen zurück-zuziehen. Daun aber, um seine Verbindungen mit den Proviantmaga-zinen von Zittau und Gabel besorgt und einsehend, dass die Preussendurch ihren Marsch nach Bautzen sich den Weg nach Oberschlesien er-öffnen würden, verliess in der That (am 5. October), wie Friedrich eswünschte und vorhersah, seine Position bei Stolpen und nahm am 7. Oc-tober in einer neuen Position bei Kittlitz, in der Nähe von Löbau, mitdem rechten Flügel hinter dem Stromberge, mit dem linken hinter denbewaldeten Anhöhen von Hochkirch Stellung. Der Stromberg, welcherdie ganze Gegend beherrschte, war mit Infanterie und Artillerie starkbesetzt.
Obwohl fest überzeugt, dass Daun über Zittau nach Böhmen zu-rückgehen werde, beorderte Friedrich dennoch den General Retzow wei-ter nach Weissenberg, marschirte selbst (am 10. October) von Bautzennach Hochkirch und nahm in nächster Nähe der Oesterreicher. fast auf