150 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
dem Feldmarschall Laudon mit einem starken Truppencorps aus demLager bei Horzinowes aufzubrechen und durch die Oberlausitz an die Oderzu marschiren. Laudon ging über Arnau und Seidenberg nach Peitz undentsandte schon leichte Truppen selbst bis nach Frankfurt. Aber Ziethen,der ihm vom Markgrafen Karl entgegengeschickt war, marschirte eiligstüber Bunzlau, Sagan und Naumburg nach Lieberose und trat aufdiese Weise den weiteren Unternehmungen Laudon's hindernd inden "Weg.
Unterdessen hatte sich unter dem Befehle des Herzogs von Zwei-brücken gegen die 26.000 Mann starke in Sachsen befindliche Armee desPrinzen Heinrich ein aus deutschen Reichstruppen und Oesterreichernbestehendes Heer gesammelt, welches 51,000 Mann zählte. Der Umstand,dass die zwei grossen Armeen des Feldmarschalls Daun und des Herzogsvon Zweibrücken nahe bei einander waren und Friedrich weit entferntan der unteren Oder sich befand, bewog den österreichischen Hofkriegs-rath, beiden Armeen den Befehl zu ertheilen, in der Abwesenheit Fried-riche gemeinschaftliche Offensivoperationen auszuführen. Aber trotz dernumerischen Ueberlegenheit seiner Streitkräfte hielt der vorsichtige Daundie Eroberung Schlesiens für sehr schwierig und beschloss daher, umspäter einen Stützpunkt zu haben, vorläufig blos irgend eine schlesischeFestung zu erobern und die Hauptmacht gegen Sachsen zu wenden. InFolge dessen rückten beide Armeen, die Daun'sche sowohl wie die desHerzogs von Zweibrücken, von zwei Seiten gegen den Prinzen Heinrich vor.
Der Herzog von Zweibrücken rückte Anfang August über Teplitzin Sachsen ein und nahm eine ungemein ausgedehnte Stellung — vonSchandau an der Elbe über Peterswalde bis nach Chemnitz — ein. SeinGegner, der Prinz Heinrich, nahm ihm gegenüber gleichfalls auf einerziemlich ausgedehnten Strecke Stellung. Dessen Hauptmacht war beiDippoldiswalde, in der Gegend von Pirna und in der Position bei Hamig,hinter dem Flüsschen Müglitz, mit dem Rücken gegen die Elbe auf-gestellt.
Nachdem Daun seiner Gewohnheit nach mehrere Detachements mitder Deckung verschiedener Punkte in Böhmen und der Lausitz beauftragtund ein Truppencorps unter Deville's Befehl behufs Blockirung der Fe-stung Neisse detachirt hatte, marschirte er selbst in der zweiten Hälftedes August langsam mit der Hauptmacht über Zittau nach Stolpen, inder Absicht von dort an die Elbe vorzurücken, diesen Fluss zwischenPirna und Dresden zu überschreiten und den Prinzen Heinrich bei Hamigim Rücken in demselben Augenblick anzugreifen, wo derselbe einenAngriff abzuwehren haben würde, den die Armee des Herzogs von Zwei-brücken auf die Fronte der Preussen ausfuhren sollte. Dieser Plan war