148 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
selber beging den Fehler, dass sie, der russischen Aufstellung sich nähernd,ihre linke Flanke zu weit vorschob. Diesen Umstand geschickt benutzend,brach die russische Reiterei mit Ungestüm zur Attake vor und, von einemTheile ihrer Infanterie aus der vordem Seite des Vierecks unterstützt,warf sie die Angreifer nach Zorndorf zurück. Aber in dem Augenblickals die russischen Truppen, in der Verfolgung der preussischen Avant-garde begriffen, ihre Position verlassen hatten, fiel Seydlitz' Reitereiplötzlich mit Vehemenz über dieselben her und warf sie nicht nur, son-dern drängte sie auch mit Verlust in ihre Position zurück. Bald daraufjedoch erneuerte die russische Reiterei, von der Infanterie unterstützt, denAngriff auf den linken Flügel derPreussen, warf deren Infanterie, schlugsie in die Flucht und obgleich abermals von Seydlitz angegriffen, gelauges ihr schliesslich doch, Zorndorf zu nehmen und sich dort zeitweise fest-zusetzen. Unterdessen war der preussische rechte Flügel gegen daslinke Ende des russischen Vierecks zum Angriff vorgerückt. Dadurchnun, dass beiderseits die rechten Flügel siegreich vorgedrungen waren,hatte die preussische Armee ihre Aufstellung derart verändert, dass siein die Richtung Zorndorf-Neudamm gelangt war und die kurze Fronteder russischen Armee umfasste. Jetzt wird auf beiden Seiten das Artil-lerie- und Gewehrfeuer eingestellt und auf allen Punkten, besonders aufdem rechten Flügel der Russen und dem linken Flügel der Preussen,entsteht ein hartnäckiges und blutiges Handgemenge. Sowohl die rus-sischen als die preussischen Truppen kämpften mit ausserordentlicherErbitterung und mit gleicher Tapferkeit; jedoch war auf Seite derPreussen der Vortheil einer concentrischen gleichzeitig gegen die Fronteund die beiden Flanken der russischen Armee gerichteten Attake. sowiedie Vorzüglichkeit ihrer taktischen Einrichtung. Das Handgemenge en-dete daher damit, dass die Russen in Unordnung und Auflösung sich andie Mietzel warfen. Der Erfolg blieb auf Seite der Preussen; aber erwar mit so grossem Verluste erkauft worden, dass Friedrich, seitens derRussen einen noch hartnäckigeren. verzweifelten Widerstand und fürseine Armee einen noch grösseren Verlust befürchtend, um 10 Uhr abendsden Kampf einzustellen befahl. In der Nacht sammelten und ordnetendie russischen Generale Fermor war verwundet) ihre Truppen auf denAnhöhen von Quartschen. Friedrich wagte am folgenden Tage nicht, denKampf zu erneuern und beschränkte sich darauf, seine Armee den Russengegenüber aufzustellen und ein Artilleriefeuer gegen dieselben zu unter-halten. Am dritten Tage aber Hess er es geschehen, dass die Russenangesichts der preussischen Armee ihren Rückzug nach Klein-Kamin aus-führten, von wo sie weiter über Landsberg nach Polen marschirten. ErHess denselben nicht mehr als 3000 Mann auf dem Fusse folgen und ver-blieb mit der Hauptmacht bis Anfang September in Blumberg, unweit