146 III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Dessenungeachtet ward der Rückzug der preussischen Armee in solcherOrdnung und so geschickt bewerkstelligt, dass sie mit all ihrer schwe-ren Bagage und ohne den geringsten Verlust zu erleiden, die beschwer-lichen Bergpässe überschritt und sich am 9. August beiLandshut aufstellte.Am folgenden Tage wurde der Prinz Moritz mit 14 Bataillonen und 38 Es-cadronen (gegen 15,000 Mann) nach Frankfurt beordert und Friedrichging persönlich dorthin voraus, den Markgrafen Karl zur Deckung Schle-siens mit der Hauptarmee bei Landshut zurücklassend.
Der Prinz Moritz ging in forcirten Märschen (er legte die Streckevon 36 Meilen in 11 Tagen zurück) über Liegnitz, Wartenberg und Kres-sen und stiess am 21. August zu den Truppen des Generals Dohna, diebei Gorgast, in der Nähe von Küstrin, lagerten. Die Stärke der hiernun concentrirten preussischen Truppen belief sich auf 34,000 Mann.
§. 55.Die Schlacht bei Zorndorf, am 25. August.
Nachdem Friedrich den Entschluss gefasst, die russische Armee ohneVerzug anzugreifen und sie zum Rückzüge nach Polen zu zwingen, be-auftragte er den General Manteuffel,-mit der Avantgarde auf die von deuRussen oberhalb Küstrin auf einer Insel der Oder errichtete Befestiguugeinen Scheinangriff zu machen, um dadurch die letzteren in dem Glaubenzu erhalten, dass die preussische Armee ihrer Schwäche wegen nur be-absichtige, der russischen Armee den Uebergang über die Oder zu wehren.Unterdessen marschirte Friedrich selbst mit der Hauptmacht in zwei Co-lonnen am linken Oderufer abwärts nach Glistebiese, ging hier am23. August auf das rechte Ufer über und, indem er bei Klossow Stellunggenommen, hatte er ein bedeutendes Corps russischer Reiterei, das un-ter dem Befehle des Generallieutenants Rumjanzow bei Schwedt sich be-fand, von seiuerVerbindung mit der russischen Hauptarmee abgeschnitten.
Ferrnor hob die Belagerung von Küstrin auf, schickte den ganzenTrain unter Bedeckung von 4000 Grenadieren nach Klein-Kamin und,von dem nordwestlich gelegenen Orte Darmützel her einen Angriff ge-wärtigend, nahm er derart Aufstellung, dass sein linker Flügel sich andas an dem Flüsschen Mietzel gelegene Dorf Quartschen und der rechtean den Wald von Drewitz anlehnte. Die russische Armee zählte 76 Ba-taillone und 83 Escadronen (gegen 34,000 Mann).
Am 24. August machte Friedrich einen Flankenmarsch nach links,und indem er ein Lager zwischen Darmützel und der Mühle von Neudamman der Mietzel bezog, stand er im Rücken des rechten Flügels der Russen.Nun Hess Fermor die russische Armee gegen die preussische Front machen,