Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
Entstehung
Seite
145
Einzelbild herunterladen
 

5. Der siebenjährige Krieg. 145

Oder marschiren. Wenn Fermor seine Vorbereitungen um zwei Monatefrüher zu beendigen vermocht hätte, als noch der preussische GeneralDohna die Schweden in Stralsund blockirte, als Friedrich Olmütz ver-geblich belagerte und die Armee des Prinzen Heinrich zu schwach war,um eine bedeutende Truppenzahl abcommandiren zu können, so würdedie russische Armee in der Lage gewesen sein, in Gemeinschaft mit derschwedischen Armee Stettin zu erobern und sehr wichtige Erfolge imHerzen Preussens zu erzielen, wodurch Friedrich in eine sehr schwie-rige und gefährliche Lage versetzt worden wäre.

Nachdem Fermor die Weichsel überschritten, marschirte er langsamüber Posen und Meseritz an die Warthe, von wo aus er mit gleicher Be-quemlichkeit entweder nach Brandenburg zum gemeinschaftlichen Ope-riren mit den Schweden, oder, falls Oesterreich dies gewünscht hätte,nach Schlesien marschiren konnte. Nach ihrer Vereinigung mit dem10,000 Mann starken Corps Browne's gingen die Bussen am 29. Juni beiLandsberg über die Warthe und, am 4. Juli vor Küstrin angekommen,bombardirten und äscherten sie die Stadt ein, belagerten die Festung undnahmen zur Deckung der Belagerung bei Kamin Stellung. Der preussi-sche General Dohna, der nur über 18,000 Mann verfügte und erst später7 Bataillone aus Schlesien und 10 Escadronen aus Sachsen als Verstär-kung erhielt, war augenblicklich der russischen Armee gegenüber zuschwach und beschränkte sich deshalb darauf den Feind zu beobachten.Bei dem ersten Erscheinen der russischen Truppen vor Küstrin wendeteDohna der Garnison dieser Festung 5000 Mann als Verstärkung zu undnahm mit dem Rest seines Corps, der indessen durch die aus Schlesienund Sachsen angelangten Verstärkungen auf die Zahl von 19,000 Mannangewachsen war, bei Frankfurt Aufstellung.

§.54.

Friedrieh marsehirt aus Böhmen nach Frankfurt a. O.

Die Gefahr, welche dem Herzen Preussens seitens der russischenArmee drohte, nöthigte Friedrich sich aus Böhmen nach Schlesien zu-rückzuziehen und von dort mit einem Theile seiner Armee nach Frank-furt zu eilen. Am 26. Juli marschirte die preussische Armee in 4 Colon-nen von Königgrätz überNachod und Friedland nach Landshut. ObgleichDaun's Hauptmacht ihren Rückzug nicht hinderte, sondern bei Horzino-wes Stellung nahm, so erschwerten doch die von dem österreichischenOberbefehlshaber ausgeschickten leichten Truppen den Marsch derPreussen ungemein, indem sie die letzteren nicht nur im Rücken und anden Flanken beunruhigten, sondern sogar gegen deren Spitzen operirten.

Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. III, 3. 10