Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
Entstehung
Seite
144
Einzelbild herunterladen
 

144 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

und schneller und entschlossener operirt hätte. Aber Daun beschränktesich darauf, durch seine leichten Truppen die preussischen Colonnen baldin den Flanken, bald an ihren Spitzen beunruhigen zu lassen und so denMarsch der preussischen Armee aufzuhalten uud zu erschweren. Er selbstfolgte mit seiner Hauptmacht sehr langsam und in grosser Entfernunghinter der preussischen Arrieregarde. Auf diese Weise gelang es Fried-rich seine Armee in grösster Ordnung nach Königgrätz zu führen, wo eram 14. Juli mit dem rechten Flügel gegen Kusseck an der Elbe, mit demCentrum hinter dem Pandurenberge und mit dem linken Flügel in Slatinan der Adler Stellung nahm. Daun, der gleich nach ihm in Böhmen ein-getroffen war, stellte sich ihm gegenüber in Hrochow-Teinitz auf undbegann mit den Detachements seiner leichten Truppen gegen die Com-municationen der Preussen mit Glatz und Schlesien zu operiren. DieseOperationen hatten jedoch wegen der Schwäche der mit denselben beauf-tragten Detachements gar keinen wichtigen Erfolg. Friedrich schickteseinen Belagerungspark nach Glatz, und Daun ging nach einigen Reco-gnoscirungen bei Pardubitz über die Elbe, nahm eine neue Position ge-gen die rechten Flanke der preussischen Armee ein und begann sich dortzu befestigen, obwohl die österreichische Armee der preussischen nume-risch bedeutend überlegen war. Friedrich seinerseits wollte Daun zumKampfe nöthigen, wagte es aber nicht ihn in seiner starken Position an-zugreifen.

§. 53.

Operationen an der unteren Oder. Der Marsch der russischenArmee nach Küstrin. Die Belagerung von Küstrin.

Zur selben Zeit als Friedrich aus Mähren in Böhmen eintraf, langteauch die russische Armee an der Oder an. Der General-en-chef Fermor,welcher das Commando über dieselbe schon im Januar übernommen hatte,besetzte von Neuem Ostpreussen, aus welchem Friedrich eben alle preus-sischen Truppen abberufen und den Schweden entgegen geschickt hatte.Die Hauptmacht der Russen, aus 68,000 Mann bestehend, befand sich inPolen und rüstete sich eifrig zur Eröffnung des Feldzuges ; aber die Er-richtung der Magazine an der Weichsel erforderte sehr viel Zeit. ImMonat März Hess Fermor durch die Corps der Generallieutenants GrafSoltykoff und Fürst GalitzinThorn und Elbing besetzen, concentrirte seineHauptmacht in der Nähe von Marienwerder und blieb hier um das Endeder Rüstungen sowie die Vereinigung mit dem 20,000 Mann starken Ob-servationscorps des Generallieutenants Browne abzuwarten. Erst MitteMai konnte die russische Armee die Weichsel überschreiten und an die