5. Der siebenjährige Krieg. 143
§. 52.Friedrich marsohirt nach Böhmen und wird von Daun gefolgt.
Wenn Friedrich's Operationen in Mähren und seine Belagerung vonOlmiitz manchen Fehler aufweisen, so zeichnen sich dafür die zunächstfolgenden Unternehmungen des preussischen Königs sowohl durch Kühn-heit und Combinationskunst als durch die Art ihrer Ausführung beson-ders aus und gehören unstreitig zu seinen glänzendsten Waffenthaten.Durch den Verlust des grossen Transportes der Mittel beraubt die Bela-gerung von Olmütz fortzusetzen und durch die Aufstellung Daun's, Lau-don's und Siskowitz's von Schlesien abgeschnitten, beschloss Friedrichnach Böhmen zu gehen. Mit einer durch einen verhältnissmässig sehrgrossen Train und durch den Belagerungspark beschwerten Armee warder Marsch in Feindesland, angesichts eines an Streitkräften und leichtenTruppen überlegenen Feindes freilich mit grossen Schwierigkeiten ver-knüpft, bot aber andererseits in vieler Hinsicht bedeutende Vortheile.Der Weg nach Böhmen war für Friedrich ganz frei und die Preussenkonnten, wenn Daun darauf gar nicht gefasst war, dass sie sich dorthinwendeten, diesem sehr leicht in Böhmen zuvorkommen, und da der Marschnach Böhmen nur den Charakter offensiver Operationen haben konnte,so war dadurch die Last des Krieges von Schlesien und den übrigenpreussischen Landen ab- und auf das feindliche Land gewälzt. Zudemkonnte Friedrich durch diesen Marsch eine neue Communication mitSchlesien eröffnen, und war die unfern der böhmischen Grenze gelegeneFestung G-latz für ihn ein trefflicher Stützpunkt nicht nur um Schlesiendecken, sondern auch seine Armee den in Sachsen liegenden Truppendes Prinzen Heinrich näher bringen zu können.
Nachdem der Prinz Moritz mit der Avantgarde vorausgeschickt wor-den, folgte Friedrich am 3. Juli mit der Hauptmacht über Trübau. Zwit-tau und Leitomischl nach Königgrätz, denselben Weg marschirend, denDaun aus Böhmen nach Olmütz gekommen war und auf welchem diePreussen folglich noch österreichische Magazine antreffen konnten. NachAufhebung der Belagerung von Olmütz, die in der Nacht auf den 2. Julivor sich ging, zog Keith mit dem Belagerungspark und der Bagage (mehrals 4000 Wagen) hinter der Armee einher, zuerst von dem Gros, dannvon einem Truppentheile derselben gedeckt. Der Marsch der preussi-schen Armee war, wie oben erwähnt, mit grossen Schwierigkeiten undGefahren verbunden, und er hätte leicht zu ihrer Vernichtung oder wenig-stens zu einer grossen Niederlage derselben führen können, wenn nichtvon der einen Seite mit bewundernswerther Geschicklichkeit und muster-hafter Ordnung vorgegangen worden wäre und wenn auf der andern SeiteDaun es verstanden, seine TJeberlegenheit an Streitkräften zu benutzen