- 138 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
und ruhmreicher als einige Siege, für die Franzosen hingegen nachthei-liger und schimpflicher als einige Niederlagen. Im Laufe von 14 Tagenhatten die Franzosen gegen 11,000 Mann an Gefangenen und eine grosseAnzahl an Deserteuren, alle ihre Magazine und eine Menge Trainwagenverloren, hatten ohne Schwertstreich Hannover und ganz Westfalen ge-räumt und sich auf das linke Rheinufer zurückgezogen.
§. 50.
Operationen in Mähren und Böhmen. — Die Eroberung von Schweid-
nitz. —Der Marsch Friedrich's nach Mähren und der Marsch Daun's
nach Leitomischl. — Die Belagerung von Olmütz.
Gegen Ende März, als die französische Armee sich hinter den Rheinund den Main zurückzog, war noch keine der übrigen verbündeten Ar-meen marschfertig. Unter denselben waren die schwedische und dieReichsarmee nicht gefährlich und die russische, wenn sie auch marsch-bereit gewesen wäre, konnte nicht so schnell an die Oder gelangen, weilsie aus Mangel an Feldbrodbäckereien und regelmässiger Proviantzufuhreinen ungeheuren Train mit sich führen musste, in Folge dessen sie sichnur äusserst langsam vorwärts bewegen konnte. Somit war die österrei-chische Armee, die, wie oben bemerkt, in Böhmen in der Nähe von Kö-niggrätz Stellung hatte, damals für Preussen die nächste und gefähr-lichste . Da Schweidnitz, wenn auch von den Preussen blockirt, noch inden Händen der Oesterreicher sich befand, so war anzunehmen, dass sieden Feldzug mit einem Einfall in Schlesien eröffnen würden. Friedrichbeschloss daher noch vor Ankunft der Russen an der Oder durch dieEroberung von Schweidnitz den Oesterreichern nicht nur den Stützpunktin Schlesien zu nehmen, sondern ihnen auch durch Offensivoperationenzuvorzukommen und seinerseits nicht in Böhmen, sondern in Mähren ein-zufallen , was in vieler Hinsicht bedeutende Vortheile bot. Mähren warein reiches, von den Drangsalen des Krieges noch nicht heimgesuchtesund dem Mittelpunkte Oesterreichs nahe gelegenes Land. Auch warendort nur sehr wenige Truppen vorhanden.
Die Operationen in Mähren mussten Daun zwingen, Böhmen zu ver-lassen und sich dorthin zu begeben, was ihm Nachtheil brachte, da inBöhmen Magazine errichtet und verschiedene andere Kriegsbedürfnisseaufgespeichert worden waren, die in Mähren fehlten. Im Falle eineswichtigen über Daun errungenen Erfolges boten die Operationen in Mäh-ren ausserordentliche Vortheile, und im Falle eines Misslingens war derRückzug nach Schlesien bequemer und sicherer als ans Böhmen. Dieschlesischen Festungen, besonders Glatz, Neisse und Brieg, konntenFriedrich als nützliche Stützpunkte für die Operationen in Mähren dienen.