Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
Entstehung
Seite
139
Einzelbild herunterladen
 

5. Der siebenjährige Krieg. 139

Und obgleich der Marsch nach Mähren Friedrich auf 80 Meilen vom Mittel-punkte Preussens entfernen musste und die Festung Olmütz wenn auchkein Hinderniss war, so doch mindestens das Eindringen in dieses Landerschwerte, so konnte andererseits 1) Friedrich sich der Hoffnung hin-geben, die Operationen in Mähren noch vor dem Eintreffen der russischenArmee an der Oder zu beendigen, 2) die Eroberung von Olmütz Fried-rich den Vortheil bieten, einen Stutzpunkt sowohl für seine Unterneh-mungen in Mähren, als für die weiteren Operationen in Niederösterreichzu erlangen, die Oesterreicher hingegen zwingen, sehr viel Zeit undMühe auf die Zurückeroberung von Olmütz zu verwenden, wodurch siein Mähren beschäftigt und aufgehalten sein mussten, während Friedrichfür seine Operationen mehr Freiheit gewonnen haben würde.

Aus allen diese Gründen war Friedrich's Plan in Mähren einzufallengerechtfertigt, aber auch ziemlich kühn und erforderte als unumgänglicheBedingung des Erfolges bedeutende Geschicklichkeit, Schnelligkeit undGeheimhaltung in der Ausführung, besonders hinsichtlich des Vorhabens,Daun südlich von Olmütz zuvorzukommen, da derselbe nur 16 Meilen,Friedrich aber 30 Meilen von dieser Festung entfernt war. Die Beschrei-bung der weiteren Begebenheiten wird zeigen, dass den eben genanntenBedingungen, unter welchen der Plan in Mähren einzufallen Erfolg ha-ben konnte, nur der Anfag der Ausführung dieses Planes entsprach.

Zu allernächst eröffnete Friedrich (am 1. April) die Belagerung vonSchweidnitz, eroberte (am 15. April) nach vierzehntägiger Belagerungdiese Festung und machte die 15,000 Mann starke Garnison derselbenzu Gefangenen.

Daraufhin, um seine wirklichen Absichten den Oesterreichern zuverbergen und dieselben irre zu führen, wurde Ziethen mit 4000 Mannzur Besetzung der über das Riesengebirge führenden Pässe zurück-gelassen und Friedrich selbst ging in die Grafschaft Glatz, während dieprenssische Hauptmacht inzwischen an die Neisse marschirte. Die Mass-regeln Friedrich's hatten den gewünschten Erfolg: Daun ward irre ge-leitet, er glaubte, die Preussen würden in Böhmen einfallen und erwar-tete keineswegs den Einfall derselben in Mähren. Ende April jedoch,als die preussische Armee (49 Bataillone und 103 Escadronen) in derStärke von 47,000 Mann sich bei Neisse gesammelt hatte, marschirteFriedrich in zwei Colonnen über die schlesischen Städte Troppau undJägerndorf nach Olmütz. Deville zog sich vor Friedrich von Troppaunach Olmütz zurück, beliess dort seine Infanterie und verfügte sich mitseiner Reiterei hinter die südwestlich von Olmütz gelegene Schluchtvon Prödlitz. Am 5. Mai sammelte sich die preussische Armee vorOlmütz und Friedrich Hess die Hauptmacht derselben bei Aschemeritzin der Nähe von Littau, (nordwestlich von Olmütz) Aufstellung nehmen,