4. Der siebenjährige Krieg. 131
drängt wurde . führte diesen Krieg nur ungern und nicht mit dem erfor-derlichen Aufwände.
§.47.Allgemeine Schlussbemerkungen über den Feldzug von 1757.
Von allen Seiten und von vierfach überlegenen Streitkräften ange-griffen , hatte Friedrich es verstanden. nach einander die österreichi-schen Armeen, das französisch-deutsche und das schwedische Heer ausseinen Landen zu vertreiben und die Armee Eichelieu's in Unthätigkeitzu versetzen; durch die Siege bei Prag. Rossbach und Leuthen erlangteer ein bedeutendes moralisches Uebergewicht über seine Gegner, undobgleich er bei Kolin, Breslau und Gross - Jägerndorf Niederlagenerlitten, mehr als die Hälfte seiner Armee verloren (nach der Schlacht beiLeuthen war seine Hauptarmee auf 40,000Mann zusammengeschmolzen)und grosse Summen verausgabt hatte, so beendigte er den Feldzug dochin wahrhaft glänzender und erfolgreicher Weise und befand sich amEnde dieses Feldzuges in nur unmerklich schlimmerer Lage als am An-fange desselben, was einerseits seiner ungewöhnlichen Kühnheit, Ent-schlossenheit . Schnelligkeit und Geschicklichkeit in den kriegerischenUnternehmungen. sowie der ausgezeichneten Organisation seiner Trup-pen, andererseits der ausserordentlichen Zaghaftigkeit, Unentschlossen-heit, Langsamkeit und Fehlerhaftigkeit der Operationen derAlliirten, be-sonders aber dem Umstände zuzuschreiben ist, dass unter den GegnernFriedrich's weder Fühlung noch Einheit herrschte.
Die Strategie Friedrich's bestand darin, dass er, gezwungen aufallen Seiten sich zu vertheidigen, den Ueberfall der Alliirten nicht ab-warten und nicht in seinem Lande angegriffen sein wollte. sondern esvorzog, ihnen durch Offensivstösse zuvorzukommen, indem er sich mitseiner Hauptmacht gegen diejenige ihrer Armeen wandte, die sich ammeisten dem Herzen Preussens genähert hatte und dasselbe am stärkstenbedrohte, und indem er gegen diese auf das Entschiedenste mit Kampfes-absicht operirte, zur Fernhaltung der anderen feindlichen Armeen einenTheil seiner Streitkräfte zurückliess und so mit ausserordentlicher Schnel-ligkeit von einem Punkte zum andern marschirte. Abwarten und sichim eigenen Lande vertheidigen, hiess sich der Vortheile der Offensive be-geben und der Gefahr entgegen gehen von überlegenen Streitkräften er-drückt zu werden; die Alliirten hingegen selbst angreifen, bedeutete, allemoralischen Vorzüge der Ueberraschung, des Zuvorkommens im Angriffbesitzen, alle taktischen Vortheile ausnutzen und im Kampfe seine persön-liche Ueberlegenheit in der Taktik sowie die treffliche Organisation undSchulung seiner Truppen verwerthen zu können. Diese Ueberlegenheit