131) III- Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
die russische Armee eine ganz andere Aufstellung hatte, so war auch derPlan Lehwaldt's ganz ungerechtfertigt.
Viertens. Trotz alledem hätte dieser Plan Erfolg haben können undwäre wahrscheinlich auch von solchem hegleitet gewesen, wenn die Dis-positionen Lehwaldt's zum Vormarsch und Angriff dem Operationszweckesowie der Oertlichkeit mehr entsprochen hätten und nicht so fehlerhaft ge-wesen wären.
Fünftens. In Folge dieser fehlerhaften Dispositionen griff Lehwaldtnicht nur den linken Flügel, sondern die ganze Armee der Russen undauf der ganzen Ausdehnung ihrer Marschcolonne an. Indem Lehwaldt soseine Streitkräfte und seinen Angriff zersplitterte, hatte er anfangs aufallen Punkten Erfolg; da er jedoch nirgends seine angreifenden Truppenunterstützte, wurde er auch überall zurückgeschlagen und mit Verlustgeworfen.
Sechstens. Endlich war der Sieg bei Gross-Jägerndorf ein ganz zu-fälliger, brachte den Siegern nur Ruhm, keinen Nutzen, und hatte für dieBesiegten, von dem Verlust an Leuten und Geschützen abgesehen, garkeine wirklich nachtheiligen Folgen.
§.46.Operationen in Pommern.
Die Operationen der Schweden in Pommern waren weder wichtignoch besonders bemerkenswerth. Im Monat September überschritt derGeneral Ungern - Sternberg mit 17,000 Mann Schweden den GrenzflussPeene, rückte in Preussisch-Pommern ein und bemächtigte sich dort eini-ger Städte und Magazine, was für ihn leicht war, da sich von preussi-schen Truppen nur die Stettiner Garnison und ein schwaches Detache-ment Manteuffels in dieser Provinz befanden. Sowie aber die russischeArmee hinter den Niemen zurückgegangen war, rückte Lehwaldt inPreussisch-Pommern ein und zwang die Schweden sich zunächst nachStralsund und dann auf die Insel Rügen zurückzuziehen. Bald darauffror die Meerenge zu und Friedrich, an kühne Unternehmungen gewohnt.war sehr ungehalten darüber, dass Lehwaldt nicht über das Eis auf dieInsel Rügen gegangen war, um dort die schwedische Armee zu vernichten.
Wenn die Russen und Schweden bei ihren Operationen irgend einengemeinsamen Zweck verfolgen und dieselben in Zusammenhang und Ein-klang bringen gewollt hätten, so würde die Lage Friedrich's beim Be-ginne des Krieges eine sehr bedenkliche gewesen sein. Aber Schweden,das eben erst mit Russland Frieden geschlossen hatte und nur durch dieIntriguen Frankreichs und Oesterreichs zum Kriege gegen Preusgen ge-