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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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132 III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

hauptsächlich war es, die ihn immer zum Kampf anspornte, auch wennes numerisch dreifach Uherlegenen Armeen gegolten hatte. Die Kühnheitund Entschlossenheit seiner Operationen nahm mit der Gefahr und inFolge des Misslingens zu. Nach seiner Niederlage bei Kolin vollbrachteer mit nur 60,000 Mann gegen einen 150,000 Mann starken Feind vielmehr als am Anfange des Feldzuges mit 95,000 Mann gegen einenungleich schwächeren Feind. Nach dem Siege bei Prag blockirte er dieseStadt und marschirte daher nur mit einem Theile seiner Armee Daunentgegen, weil er im Falle eines Erfolges auf beiden Punkten einen umso grösseren moralischen Einfluss gewärtigte. Und wenn er die öster-reichische Armee bei Kolin ebenso wie bei Prag geschlagen und in letz-terer Stadt 50,000MannOesterreicher gefangen genommen hätte, so würdeOesterreich unzweifelhaft Frieden geschlossen haben und der Krieg viel-leicht noch in diesem Jahre beendigt worden sein.

Mit einem Worte: die Operationen Friedrieh's in dem Feldzuge von1757 liefern ein ausgezeichnetes Beispiel von einem Offensiv-Defensiv-kriege; es ist nur nöthig, in den allgemeinen Geist und den allgemeinenZusammenhang dieser immer den Mitteln und Umständen entsprechenden,auf den Charakter und die Fehler der Feinde berechneten Operationeneinzudringen.

Die geschicktesten Operationen Friedrieh's in diesem Feldzuge wa-ren nach der Meinung des Generals Jomini die Marschbewegungen nachden Schlachten bei Rossbach und Leuthen.

Hinsichtlich der Streitkräfte, mit denen Preussen und Oesterreich indiesem Jahre den Krieg führten, bemerkt der General Klausewitz, dasses, da in Preussen organisirte Reserven nicht bestanden, für Friedrichsehr misslich war, behufs Completirung seiner Armee die Truppenaus-hebung nach damaligem Brauche im Winter vornehmen zu müssen. Inder That, hätte er vor der Schlacht bei Kolin selbst nur 20,000 MannReservetruppen gehabt, so wäre Daun geschlagen worden, und somitwürden 20,000 Mann in jenem Augenblicke Friedrich grösseren Nutzengebracht haben als später die durch die Winterrekrutirung erhaltenen100,000 Mann. Beim Beginne des Feldzuges hatte Friedrich im Ganzen120,000 Mann, und nach der Schlacht bei Leuthen war seine Haupt-armee nur 40,000Mann stark; folglich musste zum April des Jahres 1758(in 3 bis 4 Monaten); fast die Hälfte der Armee (gegen 60,000 Mann) an-geworben und eingereiht werden. Was die Oesterreicher anbetrifft, sohatten dieselben, wenn man den Kriegszweck und die Umstände in Be-tracht zieht, unter welchen dieser Feldzug geführt wurde, sehr wenigTruppen ins Feld gestellt (nicht mehr als 100,000 Mann).

Die Hauptfehler, die von den Alliirten in diesem Feldzuge begangenwurden, sind folgende: