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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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4. Der siebenjährige Krieg. 119

Entschluss war gefasst. Unverzüglich marschirte er nach Leipzig undbefahl dem Prinzen Moritz und dem Herzog Ferdinand von Braunschweigsich auch dorthin zu begeben.

Unterdessen war Soubise über die Saale gegangen, bis nach Leipzigvorgerückt und forderte von Keith die Uebergabe der Stadt, wurde abermit seiner Forderung abgewiesen, und ging, als er die Annäherung Fried-rich's erfahren, wieder auf das linke Saalufer zurück, einen Theil seinerTruppen in Weissenfeis und Merseburg zurücklassend. Die Aufstellungseiner Armee gab deutlich seine Absicht zu erkennen, die Saalelinie zuvertheidigen und, wenn möglich, hinter derselbenWinterquartiere zu bezie-hen. Obgleich Friedrich nur 24,000, Soubise aber 64,000 Mann, also fastdreimal so viel Truppen hatte, beschloss Ersterer dennoch die Verbündetenzum Kampfe zu zwingen, eventuell dieselben wenigstens so weit als mög-lich von Sachsen zurückzudrängen. Zu diesem Behufe sammelte sichdie preussische Armee am 28. October bei Altranstädt, von wo sie nachWeissenfeis marschirte. Friedrich führte persönlich die Avantgarde undverdrängte die französischen Truppen aus Weissenfeis. Gleich daraufzog sich die ganze Armee der Verbündeten von der Saale nach Müchelnzurück, während die Preussen bei Weissenfeis, Merseburg und Halle dieSaale überschritten und sich noch am Abende desselben Tages bei Brauns-dorf, theils gegenüber dem rechten Flügel, theils im Rücken der Ver-bündeten concentrirten. Von den letzteren war die Position bei Müchelnsehr ungeschickt gewählt, sie änderten daher noch in der Nacht ihre Stel-lung und bezogen ein neues, viel bequemeres und zur Vertheidigung ge-eigneteres Lager zwischen Mücheln und Branderode. Da ging Friedrich,der es nicht wagte, mit seinen schwachen Streitkräften die numerisch über-legene Armee der Verbündeten in ihrer starken Vertheidigungsposition an-zugreifen, nach Bossbach zurück, wo er, den linken Flügel an diesenOrt, den rechten an das Dorf Bedra anlehnend, Aufstellung nahm, undin der Hoffnung, dass Soubise im Winter nichts gegen Sachsen unter-nehmen würde, wollte er schon über Merseburg und Leipzig nach Schle-sien gehen. Die Verbündeten aber, als sie erfahren, dass die ArmeeFriedrich's bedeutend schwächer sei als sie angenommen hatten, undin der Meinung, dass Friedrich dem Kampfe ausweiche, beschlossen, ihnsofort anzugreifen. Da nun der rechte Flügel und das Centrum seinerStellung bedeutend stärker waren als der linke Flügel, so sollte derAngriff in ähnlicher Weise erfolgen, wie der Angriff, den Friedrich am5. November mit gutem Erfolge ausgeführt hatte. Indem St. Germain mit9 Bataillonen und 15 Escadronen gegen die Fronte der Preussen vor-geschickt wurde, um die Aufmerksamkeit Friedrich's von seinem linkenFlügel abzulenken, begannen die übrigen Truppen der Verbündeten durcheinen Flankenmarsch nach rechts den preussischen linken Flügel zu