4. Der siebenjährige Krieg. 11 7
reicher an das FlUsschen Lohe heran und schlug, unter dem Schutze desFeuers aus 39 schweren und einer grossen Zahl leichter Geschütze, un-gehindert Brücken gegenüber Höfchen und Klein-Mochbern, ging über dieLohe, wehrte alle Angriffe der Truppen des preussischen Centrums ab.nöthigte dieselben schliesslich, sich hinter die Linie der von ihr genom-menen Befestigungen zurückzuziehen und setzte sich auf diese Art zwi-schen beiden Flügeln der preussischen Armee fest. Da aber Brandeisauf dem äussersten rechten Flügel mit Erfolg drei von Keil ausgeführteAngriffe zurückgeschlagen und seine Stellung behauptet hatte, währendZiethen auf dem linken Flügel Nadasdi geworfen, ihn zum Rückzugehinter die Lohe gezwungen hatte und fortfuhr ihn dort zurückzuhalten.so konnte die Schlacht keineswegs für die Preussen als verloren ange-sehen werden. Im Gegentheil. das concentrische Vorgehen gegen dieösterreichische Hauptmacht konnte für die Preussen noch sehr vorteil-hafte Folgen haben. In der That befahl der Herzog von Bevern die vonden Oesterreichern im Centrum der preussischen Armee besetzten Dörferund Befestigungen anzugreifen. Anstatt aber selbst diesen so wichtigenAngriff zu leiten, begab er sich ohne jegliche Notwendigkeit auf denlinken Flügel zu Ziethen. Schulz und Lestwitz mit gegen 20 Bataillonenund einigen Kürassierregimentern machten um 5 Uhr abends den ihnenanbefohlenen Angriff, zogen sich jedoch bald, von überlegenen Streit-kräften zurückgeschlagen, in die Breslauer Vorstädte zurück. Da befahlder Herzog von Bevern, der wahrscheinlich die Schlacht für ganz ver-loren hielt und durch eine Erneuerung des Angriffes für die preussischeArmee, die bereits 36 Geschütze und gegen 6000 Mann an Todten undVerwundeten verloren hatte, noch grössere Verluste befürchtete. auchallen übrigen Truppen sich in die Stadt zurückzuziehen und ging in derNacht mit der ganzen Armee auf das rechte Oderufer hinüber. Am an-dern Morgen, als er eine Recognoscirung unternahm , wurde er von denOesterreichern gefangen genommen (man glaubt, dass er sich ihnen frei-willig ergeben, um der begründeten Unzufriedenheit Friedrich's auszu-weichen) . Ziethen, der nach ihm den Oberbefehl über die Armee führte,überzeugte sich, dass durch die Gefechtsverluste sowie durch die Deser-tion aller schlesischen. Rekruten die Truppenzahl seiner Armee bis auf20,000 Mann herabgesunken war, Hess in Breslau 8 Bataillone zurück,marschirte mit 15,000 Mann nach Glogau und vereinigte sich später mitFriedrich. Breslau capitulirte bald darauf an die Oesterreicher und derPrinz von Lothringen begnügte sich mit diesem Erfolge, während er derin grosser Unordnung nach Glogau flüchtenden preussischen Armee einevollständige Niederlage hätte beibringen können. wenn er dieselbe ver-folgt hätte.