] Iß III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Und so war Friedrich in Schlesien vom Glücke ausserordentlich be-günstigt. In der That konnte man kaum langsamer, unentschlossenerund furchtsamer operiren als es die Oesterreicher thaten. Fast dreimalso stark als der Herzog von Bevern, hätten sie, entschlossen gegen ihnvorgehend, ihn schlagen, seine Armee aufreiben, sich Schlesiens bemäch-tigen und direct auf Berlin losmarschiren können. Statt dessen erreichtensie nicht mehr als den Herzog von Bevern von Sachsen abgeschnitten,ihn zum Rückzüge nach der Oder gezwungen und Schweidnitz erobert zuhaben; aber auch diese Erfolge verdankten sie nur den vom Herzog vonBevern begangenen Fehlern.
Nach der Eroberung von Schweidnitz und der Vereinigung mit demArmeecorps Nadasdi's entschloss sich endlich der Prinz von Lothringen,den Herzog von Bevern anzugreifen. Der rechte Flügel der Preussen(11 Bataillone und 18 Escadronen, unter dem Befehle der GeneraleBrandeis und Windersheim), an die Oder, die Lohe und das Dorf Pils-nitz sich stützend und gedeckt durch detachirte Redouten und Verhaue,befand sich in einer fast unzugänglichen Position. Der linke Flügel11 Bataillone und 68 Escadronen, von dem General Ziethenbefehligtj,in Staffeln von dem Dorfe Grübischen bis zum Dorfe Hardam und derBreslauer Nicolai-Vorstadt aufgestellt, rechts durch Grübischen und dreivor dem Dorfe Habitz aufgeworfene Redouten und in der Fronte durchdas Dorf Kleinburg gedeckt, war ungemein ausgedehnt und zudem nochan seinem ausseiften linken Ende ganz offen. Der bedeutende Raum imCentrum, der nur durch die Lohe gedeckt und durch einige bei den Dör-fern Schmiedefeld, Höfchen und Klein-Mochbern aufgeführte, mit ein-ander nicht correspondirende detachirte Redouten nur schwach vertheidigtwurde, war nur von 17 Bataillonen und 24 Escadronen, unter dem Be-fehle der Generale Schulz und Lestwitz, besetzt. Einige Reiterregimen-ter befanden sich in der Reserve. Auf diese Weise war der rechte Flügelder preussischen Position sehr stark, der linke ungemein ausgedehnt undschwach und das Centrum noch schwächer. Ueberhaupt war die Aus-dehnung der Position für die 30,000 Mann starke preussische Armee zubedeutend und die Intervalle zwischen den Bataillonen der Infanterie sogross, dass der Herzog von Bevern hinter ihnen Reiterei aufstellte. Einnoch grösserer Fehler war der, dass die Reiterei hinter einem für ihreOperationen nicht geeigneten Terrain schlecht aufgestellt war und schlechtverwendet wurde, so dass sie im Kampfe gar keinen Nutzen brachte.
Das schwache Centrum der Preussen insbesondere beschloss derPrinz von Lothringen mit der Hauptmacht der österreichischen Armee an-zugreifen. Nadasdi auf der rechten und Keil auf der linken Flankesollten nur den Hauptangriff auf das Centrum unterstützen. Am 22. No-vember morgens, bei"dichtem Nebel, rückte die Hauptmacht der Oester-