4. Der siebenjährige Krieg. 113
seiner Seite gewesen. Mit einem Verluste von 4000 Mann zog ersiehnach Harburg und Stade zurück. Die Festung Hameln ergab sich denFranzosen, welche die Armee der Verbündeten bis an die Grenzen desneutralen Dänemark verfolgten. Hier war der Herzog von Cumberlandgezwungen, in Kloster-Seven eine Convention abzuschliessen, kraft wel-cher er sich verpflichtete, seine Armee zu entlassen. Auf diese Weisewaren Hessen-Kassel, Westfalen und Hannover in die Gewalt der Fran-zosen gelangt. Ungeachtet dieses Erfolges wurde der Marschall d'Estreesabberufen und durch den Herzog von Richelieu ersetzt.
§.41.Operationen in Sachsen. — Der Marsch Friedrich's gegen Soubise.
Die Siege bei Kolin und Hastenbeck und der Abschluss der Conven-tion in Kloster-Seven ermuthigten die Alliirten so sehr, dass man in Wienschon beschloss, einen Reichstag zusammen zu berufen, um auf demsel-ben über das Geschick Preussens entscheiden zu lassen. Die Lage Fried-rich's war in der That äusserst kritisch und gefährlich : der Herzog vonRichelieu konnte direct nach Halberstadt und Magdeburg marschiren undsich mit der Armee Soubise's vereinigen; seine Truppen unternahmenschon Streifzüge bis Halberstadt, ja sogar bis Magdeburg; die russischeArmee hatte schon den Niemen überschritten und war bis an den Pregelgekommen; die Schweden bedrohten Pommern; in Schlesien hatte Fried-rich die ihm numerisch überlegene österreichische Hauptarmee gegensich, in Thüringen hingegen den Marschall Soubise, welcher nachseiner in Erfurt bewerkstelligten Vereinigung mit der 33,000 Mann star-ken, vom Herzog von Hildburghausen befehligten Reichsarmee und nachEintreffen von Verstärkungen im Ganzen über 57,000 Mann Truppenverfügte und die Absicht hatte. an die Saale zu marschiren, Leipzig zuerobern und sich in Sachsen festzusetzen. Friedrich erachtete seine Lagefür so gefahrvoll, dass (wie aus seinem Schriftwechsel zu ersehen) er so-gar an der Möglichkeit, allen seinen Feinden zu widerstehen, zweifelte.Trotz alledem äusserte sich bei ihm nicht im geringsten Muthlosigkeitund, überzeugt, dass die Oesterreicher nichts Wichtiges in Schlesien un-ternehmen würden, bevor sie nicht irgend eine Festung erobert, be-schloss er, seine Hauptmacht in Schlesien zu belassen und mit einemTheile seiner Streitkräfte Soubise entgegen zu gehen. Zu diesem Be-hufe Hess er in Bernstadt zur Deckung Schlesiens den Herzog von Be-yern mit 44,000 Mann (56 Bataillone und 100 Escadronen) zurück, gingselbst mit 12,000 Mann Mitte August nach Dresden, vereinigte sichdort mit dem 10,000 Mann starken Armeecorps des Prinzen Moritz undmarschirte mit dieser kleinen Armee (22,000 Mann; über Döbeln, Grimma,
Galitzin, A]]gem. Kriegsgeschichte. III, 3. S