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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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4. Der siebenjährige Krieg. 109

musste und so gar keine Truppen in Reserve blieben. Da Friedrich nunsah, dass seine Gefechtslinie den feindlichen rechten Flügel gar nicht zuumfassen vermochte, befahl er der ganzen Linie eine Ziehung nach linkszu machen; aber die Ausführung dieses Befehls auf dem Schlachtfelde,angesichts des Feindes und fast unter dem Feuer desselben, war sehrschwierig und brachte die Truppen nur in Verwirrung. Unterdessenfuhren die Generale Ziethen und Hülsen fort, gegen den rechten Flügelder Oesterreicher so erfolgreich zu operiren, dass Daun sich schon zumRückzuge anschickte. Aber alle Angriffe der preussischen Infanterie ge-gen das Centrum der Oesterreicher, das auf schwer zugänglichen Höhensich befand, wurden zurückgeschlagen, wobei die preussische Infanterievon dem Kreuzfeuer der österreichischen Artillerie ausserordentlich hartmitgenommen wurde. Hülsen, verstärkt durch die Infanterie des preus-sischen linken Flügels, wagte einen Angriff auf das hinter dem DorfeKresor befindliche Wäldchen, vermochte es aber nicht zu nehmen, weil derösterreichische rechte Flügel durch frische Truppen bedeutend verstärktworden war. Endlich entschied der glänzende Reiterangriff des sächsi-schen Generals Nostiz und des österreichischen Generals Stierenbergden Sieg zu Gunsten der Oesterreicher. Diese beiden Generale warfendie preussische Reiterei, umritten die durch lange_anhaltenden und hart-näckigen Kampf erschöpfte preussische Infanterie, warfen einen Theilderselben und zwangen den andern das Gewehr zu strecken. Fried-rich sammelte noch einige Bataillone und einen Theil der Reiterei, stelltesich an ihre Spitze und machte noch einen letzten Angriff; aber auchdiese Anstrengung war vergebens : die Schlacht war schon unwiederbring-lich für ihn verloren und die total geschlagene preussische Armee, dieeinen Verlust von 12,000 Mann und 45 Geschützen zu beklagen hatte,fluchtete in grösster Unordnung und sammelte sich mit grosser Mühe beiNimburg.

Die Oesterreicher hatten bei einem Verluste von 8000 Mann einenentscheidenden und glänzenden Sieg erfochten. Daun, der diesen Siegnicht seinen geschickten Combinationen und Operationen, sondern denFehlern seiner Gegner und zufälligen Umständen zu verdanken hatte,benutzte denselben nicht, um den geschlagenen Feind bis an die Elbe zu-rückzuwerfen und so dessen Niederlage vollständig zu machen, sondernHess, denVorurtheilen seinerzeit folgend, Friedrich die Möglichkeit, sichzurückzuziehen, und blieb ruhig auf dem Schlachtfelde. Daher war dieeinzige Folge des Sieges bei Kolin nur die, dass die Preussen, die nun-mehr im Vergleich zu den beiden österreichischen Armeen viel zu schwachwaren, die Blokade von Prag aufhoben.