108 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Golc-Jenikau. Jedoch fand Friedrich das Corps Bevern's schon hei Kau-fim, weiter rechts von Planian. Allen Berichten schenkte er keinen Glau-ben , und in der Voraussetzung, dass er nur das Corps des GeneralsNadasdy vor sich habe, wollte Friedrich Über Suchdol nach Kuttenbergmarschiren und den linken Flügel des Feindes umgehen; aber bald wurdeer gewahr, dass die ganze Armee Daun's in der Nähe von Kirchenau auf-gestellt war, und er entschloss sich, dieselbe sofort anzugreifen. DieStreitkräfte der Oesterreicher beliefen sich auf 35,000 Mann Infanterieund 18,000 Mann Reiterei, im Ganzen auf 53,000 Mann, und die derPreussen auf 18,000 Mann Infanterie und 16,000 Mann Reiterei, im Gan-zen auf 34,000 Mann. Die letzteren hatten mithin um die Hälfte wenigerInfanterie als die ersteren.
Da die Position der Oesterreicher in der Fronte sehr stark war, sohielt es Friedrich für vortheilhafter, den rechten Flügel derselben zu um-gehen und dadurch Daun zum Rückzuge zu zwingen. In Folge dessenzog sich nun die in vier Treffen aufgestellte preussische Armee mittelsteines Flankenmarsches der nach Kolin führenden Hauptstrasse entlangnach links. Bald aber entdeckte Friedrich, dass die Oesterreicher aufden zwischen den Dörfern Kresor und Bi-ezan befindlichen Höhen eineneue Position eingenommen hatten, die weiter rechts als die frühere lagund mit Aussicht auf Erfolg nur in der rechten Flanke angegriffen wer-den konnte. Er entschloss sich daher, seinen behufs Umgehung desösterreichischen rechten Flügels unternommenen Flankenmarsch fortzu-setzen. Der Armee voraus marschirte die Avantgarde unter dem GeneralHülsen und die Reiterei des Generals Ziethen. Das hinterher marsehi-rende Gros hatte den Befehl, nicht auf das feindliche Feuer zu antwortenund nicht eher Halt zu machen, als bis der Umgehungsmarsch von allenTruppenkörpern ausgeführt worden. Obgleich der österreichische rechteFlügel von Daun bedeutend verstärkt worden war, griffen Ziethen undHülsen denselben mit grossem Erfolge an und drängten ihn bis Rado-wesnitz zurück. Es erübrigte also nur noch, entsprechend der Disposition,den Umgehungsmarsch zu vollenden und mit der Hauptmacht sich aufdie Flanke der Armee Daun's zu stellen. Aber plötzlich und der Dispo-sition entgegen, Hess Friedrich die Spitzen der Colonnen des Gros Haltmachen und befahl denselben in Zügen rechts abzuschwenken und diePosition Daun's in der Fronte anzugreifen, so dass dabei der rechte Flü-gel des Feindes zurückgeschoben werde und nicht am Kampfe Theil neh-men könne, d.h. Friedrich wollte mit dem linken Flügel und Centruin derpreussischen Armee den rechten Flügel und das Centrum der Oesterrei-cher in schräger Schlachtordnung angreifen. Als die preussische Armeezugweise nach rechts abschwenkte, bildeten sich aber in derselben soviele Intervalle, dass fast das ganze zweite Treffen in das erste einrücken