4. Der siebenjährige Krieg. 107
Annäherung der unter Dann stehenden anderen österreichischen Armeeunterdessen erwartend. Und obgleich die durch ein heftiges Bombardementverstärkte Blokade die Oesterreicher zwingen konnte, das Gewehr zustrecken, so war doch Friedrich in seinen Handlungen mehr gebunden,als er beim Beginne des Feldzuges erwartet hatte.
§.37.Der Marsch Friedrichs gegenDaun. —Die Schlacht bei Kolin (18. Juni).
Als die Preussen in Böhmen einfielen, erhielt Daun, wie oben gesagtworden, den Befehl, nach Prag zu gehen und in Brunn und Ölmütz nurGarnisonen zurückzulassen. Am 6. Mai, dem Tage der Schlacht bei Prag,überschritt er, im Rücken der preussischen Armee, bei PodiSbraÜ dieElbe und schob seine Vorposten fast bis Prag selbst vor; als er aber vondem Resultate der Schlacht bei Prag Kunde erhalten, zog er sich nachBöhmisch-Brod zurück. Seine Armee wurde durch fortwährend eintref-fende frische Verstärkungen, sowie auch durch die Reste des rechtenFlügels der geschlagenen Armee des Prinzen von Lothringen vergrössert.Aus den unentschlossenen Operationen Daun's aber schloss Friedrich,dass derselbe nur über schwache Streitkräfte gebiete, in welchem Glau-ben er übrigens auch noch durch ihm überbrachte falsche Nachrichtenbestärkt wurde. Deshalb erachtete es Friedrich für hinreichend, zurDeckung der Blokade Prag's nicht mehr als 17,000 Mann (5000 MannInfanterie und 12,000 Mann Reiterei), unter dem Befehle des Herzogsvon Bevern, Daun entgegen zu senden. Daun, ungeachtet dessen, dasssich eine Truppenmacht von bereits 46.000 Mann unter seinem Befehleangesammelt hatte, wagte es nicht, entschieden gegen den Herzog vonBevern vorzugehen und zog sich allmälig zurück, zunächst nach Planianund Kuttenberg, dann nach Czaslau und endlich nach Golc-Jenikau. Esist anzunehmen, dass das Wiener Cabinet, einer hartnäckigen Verthei-digung Prag's entgegensehend, Daun den Befehl ertheilt habe, sich aufdie Defensive zu beschränken, jedoch bald darauf, den Fall Prag's be-fürchtend , ihm den Gegenbefehl gegeben habe, unverzüglich zum Ent-satz Prag's und zur Befreiung der Armee des Prinzen von Lothringen vor-zurücken. In Folge dieses den Preussen unbekannten Umstandes mar-schirte Daun unerwartet nach Kuttenberg, drängte die Preussen zurückund nahm Stellung nahe bei Kirchenau in der Umgegend von Kolin,während der Herzog von Bevern sich in der Nähe von Planian aufstellte.Unterdessen sah Friedrich die Notwendigkeit ein, Daun zu entfernen,und nachdem er sich überzeugt, dass derselbe über bedeutend mehr Streit-kräfte verfügte als er angenommen hatte, verstärkte er das Bevern'scheCorps mit 5000 Mann aus der Blokade-Armee von Prag und verfügtesich selbst nach Kuttenberg, in der Meinung, Daun befinde sich noch in