4. Der siebenjährige Krieg. 103
Höhen, wodurch er die Rückziigslüiie seines Gegners bedrohte. Königseck,befürchtend, dass man ihm den Rückzug abschneide oder in Liebenauzuvorkomme, beeilte sich dorthin zurück zu gehen, nachdem er ungefähr1000 Mann verloren hatte. Die Preussen hatten fast eben so viel ein-gebüsst. In Liebenau angelangt, nahm Königseck in der Umgebung diesesOrtes in einer so starken Position Stellung, dass der Herzog von Beveraes nicht wagte . ihn dort anzugreifen. Doch verweilten die Oesterreichernicht lange an diesem Orte.
Fast zu gleicher Zeit mit dem Herzoge von Bevern rückte Schwerinaus Schlesien in Böhmen über Trautenau ein und marschirte im KückenKönigseck's über Königinhof nach Gitschin. Wenn eine seiner Colonnen,die des Generals Fouque, sich schneller vorwärts bewegt hätte, so wärees für Königseck unmöglich gewesen, bei Reichenberg stehen zu bleibenohne Gefahr zu laufen, abgeschnitten zu werden. Und daher geschah derAngriff des Herzogs von Bevern ohne jegliche Nothwendigkeit, und Kö-nigseck setzte sich einer grossen Gefahr aus, indem er bei Reichenbergblieb und sich dort in einen Kampf einliess. Die Marschrichtung derschlesichen Armee war derart, dass Königseck auch bei .Liebenau hätteabgeschnitten werden können. In der That nahmen die Preussen am25. April im Rücken Königseck's Turnau ein und zwangen ihn, sich überBrandeis nach Prag zurückzuziehen. Nachdem Schwerin sich eines gros-sen Proviantmagazins in Jung-Bunzlau bemächtigt hatte, vereinigte ersich mit dem Herzoge von Bevern. Beide.Corps (40,000 Mann) gingen nunbei Brandeis über die Elbe und machten Halt, weitere Befehle von Fried-rich erwartend. Somit war die erste Hälfte des Planes Friedrich's genauund erfolgreich zur Ausführung gelangt und die ganze preussische Haupt-armee concentrirte sich in der Gegend von Prag.
Ein kühner, entschlossener und von Niemanden abhängiger Feld-herr an Stelle des Prinzen von Lothringen hätte vielleicht versucht, dieArmee Schwerin's, welche von Friedrich durch die Moldau getrennt war,zu schlagen, indem er über dieselbe mit überlegenen Streitkräften her-gefallen wäre. Aber der Prinz von Lothringen that es nicht, weil ihmdie nöthige Kühnheit undEntschlossenheit fehlte, hauptsächlich aber weiler, wie alle österreichischen Heerführer, ganz von dem Hofkriegsratheabhing und nichts ohne Befehl oder Genehmigung desselben unternehmendurfte. Zudem war solche entschiedene und kühne Handlungsweise nichtim Geringsten mit der zu jener Zeit im Allgemeinen und insbesonderebei den Oesterreichern herrschenden Vorsicht und Unentschlossenheit inden kriegerischen Unternehmungen zu vereinbaren.