4. Der siebenjährige Krieg. 101
Corps des österreichischen Heeres zu schlagen und zu zerstreuen, seineArmee bei Prag zu concentriren, hier eine entscheidende Schlacht zu liefernund, nachdem er den Feind geschlagen und Prag erobert, Schwerin miteinem grossen Theil seiner Armee die Offensivoperationen gegen Mährenanzuvertrauen und selbst mit 40,000 Mann seinen Bundesgenossen zuHilfe zu kommen. Diesem Operationsplan nach wurde die zum Einfallin Böhmen bestimmte Armee in 4 Corps eingetheilt. Das erste, 19,000 Mannstarke, vom Prinzen Moritz von Anhalt-Dessau befehligte Corps nahm inder Nähe von Zwickau Aufstellung; das 39,000 Mann starke, unter derpersönlichen Führung Friedrich's stehende Hauptcorps stellte sich zwi-schenDresden, Pirna, BerggieshübelundDippoldiswalde auf; dem dritten,vom Herzoge von Bevern befehligten, 18,000 Mann starken Corps warddie Umgebung von Zittau in der Lausitz zur Aufstellung angewiesen;und endlich das vierte, 26,000 Mann starke Corps Schwerin's nahm seineAufstellung in Schlesien, zwischen Glatz, Friedland und Landshut, Trau-tenau gegenüber. Nachdem diese Truppencorps einzeln in Böhmen ein-gerückt waren, sollten sie sich, um die einzelnen Corps gegen Nieder-lagen mehr zu sichern, sich in zwei Corps, in der Gegend von Lobositzund an der Iser bei Turnau, vereinigen und in zwei Colonnen den Marschnach Prag fortsetzen. Von den übrigen preussischen Truppen war ein30,000 Mann starkes Corps unter dein Befehle des Feldmarschalls Leh-waldt in Ostpreussen zur Beobachtung der Russen zurückgelassen worden.Die unter dem Befehle des Herzogs von Cumberland stehenden ver-bündeten hannoverschen, braunschweigischen und hessischen Truppen,4S.000 Mann stark, sammelten sich an der Weser gegen Frankreich. IhrOperationsplan war total verfehlt und durch nichts gerechtfertigt. Fried-rich, die Folgen desselben vorhersehend, befahl, die noch in Westfalengebliebenen 6 preussischen Bataillone sowie die Weseler Garnison vondort herauszuziehen, einen Theil der Werke genannter Festung zu schlei-fen und die ganze Artillerie nach Magdeburg zu überführen.
§. 35.
Operationen in Böhmen. — Der Marsch Friedrich's nach Böhmen.
Die Schlacht bei Reichenberg.
Vom 20. bis zum 29. April bewegten sich alle Corps der preussi-schen Hauptarmee nach den Grenzen Böhmens hin. Um die Oester-reicher zur Räumung der Bergpässe zwischen Lokenitz und Lobositz zuzwingen, befahl Friedrich dem Prinzen Moritz in den Saatzer Kreis ein-zurücken und die auf böhmischer Seite liegenden Debouches dieser Pässezu besetzen. In Folge dessen marschirte das rechte Flankencorps desPrinzen Moritz von Chemnitz über Zwickau und Plauen nach Eger. Da