4. Der siebenjährige Krieg. 99
dadurch nicht nur ein in strategischer Hinsicht wichtiges Land, sondernentfernte auch den Krieg von den Grenzen des eigenen Landes und ver-mehrte seine Mittel zur Kriegführung. Alle seine Handlungen im Jahre 1756sind ganz regelrecht und den Mitteln und Umständen entsprechend. Esscheint nur, dass es der von ihm beobacheten Handlungsweise mehr ent-sprochen hätte und für ihn vorteilhafter gewesen wäre, wenn er Brownebei dem Ausgange aus dem Erzgebirge erwartet hätte anstatt ihm nachBöhmen entgegen zu rücken. Uebrigens verliess sich Friedrich in diesemFalle wahrscheinlich auf die taktische Ueberlegenheit seiner Truppen.
Was Browne anbelangt, der nach den Worten Friedrich's ein sehrerfahrener General war, so könnte gegen ihn nur der Vorwurf erhobenwerden, dass er nach der Schlacht bei Lobositz allzu vorsichtig und un-entschlossen handelte, obgleich er an Streitkräften seinem Gegner über-legen war. Aber auch in diesem Falle fällt die Schuld der Langsamkeitund Unentschlossenheit seiner Operationen nicht auf ihn, sondern aufden österreichischen Hof kriegsrath, der ihm solche widersprechendeBefehle ertheilte, dass Browne, den Zweck des Feldzuges nicht klar er-kennend, sich in seinen Combinationen irrte.
§. 34.
Zweiter Feldzug, im Jahre 1757. — Die Streitkräfte, die Aufstellung
derselben und die Operationspläne beider Parteien.
Oesterreich beabsichtigte in diesem Jahre 180,000, Russland 80,000und Frankreich 109,000 Mann zu stellen, was, ohne die deutschenReichstruppen und die schwedische Armee zu rechnen, die Anzahl von369,000 Mann ausmachen musste. Aber die Zusammenziehung derTruppen der Verbündeten Oesterreichs wurde sehr langsam bewerkstel-ligt. Der Marsch der russischen Armee nach Ostpreussen wurde dadurchverzögert, dass Friedrich in Polen frühzeitig fast alle Getreidevorrätheaufgekauft hatte. Frankreich, obgleich es beständig den Marsch seinerTruppen an den Rhein ankündigte, vermochte dies jedoch noch nicht aus-zuführen. Die Zusammenziehung der deutschen Reichstruppen stiess aufviele Hindernisse in der Bildung einer allgemeinen Geldkasse und in derWahl eines Oberbefehlshabers, und wurde verzögert durch die heimlicheMissgunst vieler Fürsten u. dgl. m., während die Zusammenziehung derschwedischen Armee wegen der zwischen der Hofpartei und der Partei desSenats herrschenden Uneinigkeit und wegen Geldmangels nur langsamvon statten ging. Auf diese Weise blieb Oesterreich am Anfange diesesJahres allein, ohne Verbündete. Auf diesen Umstand war auch der Ope-rationsplan der Oesterreicher, sowie derjenige Friedrich's II. gegründet.Browne wollte den Preussen durch Offensivoperationen in Sachsen und