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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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4. Der siebenjährige Krieg. 91

Endlich sollten die Streitkräfte der Alliirten auch noch durch denerwarteten Hinzutritt der Reichs- und der schwedischen Armee vermehrtwerden.

Friedrich IL, von der zwischen den Höfen von Wien, St. Petersburgund Dresden gepflogenen geheimen Correspondenz stets auf das Genauesteunterrichtet und überzeugt, dass Maria Theresia Alles aufbieten würde,um Schlesien zurückzuerobern, war auch seinerseits im Laufe der letztenzehn Jahre auf's Eifrigste damit beschäftigt gewesen, sich zu einemneuen Kriege mit Oesterreich zu rüsten. Im Jahre 1756 war Preussen,nach Friedrich's eigenen Worten, hinsichtlich seiner Einwohnerzahl undseines Volksreichthums zweimal so stark als am Ende der RegierungFriedrichWilhelm's I. Eine verständige Finanzverwaltung botFriedrich II.die Möglichkeit, so bedeutende Ersparnisse zu machen, dass damit dieKosten einiger Feldzüge hinlänglich gedeckt werden konnten , ein Vor-theil, dessen sich damals keine der europäischen Mächte erfreute. DieStärke der preussischen Armee, die sich beim Abschlüsse des DresdenerFriedens auf circa 99,000 Mann belief, erreichte im Jahre 175(5 schon dieHöhe von 120,000 Mann vollständig kriegstüchtiger Truppen, und hin-sichtlich ihrer taktischen Organisation und Disciplin übertraf sie alleübrigen europäischen Heere. Die wichtigsten preussischen Festungenwaren in Vertheidigungszustand gesetzt, die Festungswerke von Neisse,Kosel, Glogau und Glatz restaurirt und vervollkommnet und die StadtSchweidnitz, für etwaige Operationen gegen Böhmen zum Depot be-stimmt, in eine Festung umgewandelt worden. In den Festungen sowohlwie an vielen anderen Punkten wurden bedeutende Kriegsvorräthe auf-gespeichert und in Neisse hatte man einen aus 80 Geschützen und 20 Mör-sern bestehenden Belagerungsartilleriepark untergebracht Die Zahl derBataillone in den Garnisonsregimentern wurde erhöht: in Schlesien auf8, in Preussen auf 3 und in Brandenburg auf 2. Das Bündniss Preussensmit England brachte Friedrich denVortheil, dass die Einwohner von Han-nover, Hessen-Kassel und Braunschweig seine eifrigen Anhänger wur-den und die englischen Subsidien seine Geldmittel vermehrten. Zu An-läng des Jahres 1756 war die Hauptmacht der preussischen Armee indrei Lagern, bei Magdeburg, Frankfurt an der Oder und Wittenberg, zu-sammengezogen und die übrigen Truppen hielten Brandenburg und Schle-sien besetzt.

Die Absichten der Alliirten hinsichtlich der Operationen gegenPreussen'entwickelten sich allmälig vom Jahre 1756 an; jedoch erst ge-gen Ende des Jahres 1757 ward zu St. Petersburg die Eröffnung des Krie-ges beschlossen und der Feldzugsplan endlich entworfen. Die allgemei-nen Kriegsoperationen aber sollten, da die Verbündeten noch nicht ge-rüstet waren, erst im Frühjahr 1757 beginnen. Es ward beschlossen, den