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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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90 III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

weshalb der englisch-französische und österreichisch-preussische Kriegzu einem allgemeinen europäischen Kriege sich gestaltete, welcher dieFrage über die Colonien und das Geschick Preussens entscheiden musste.Es ist jedoch zu bemerken, dass, obgleich England und Preussen bis zumEnde des Krieges auf das Engste verbunden waren, doch Jedes für sichabgesondert, ohne gemeinsam vorher entworfenen Plan, operirte. Pitt,der englische Staatskanzler, und Friedrich IL strebten Beide auf ver-schiedenen Wegen nach einem und demselben Ziel und Beide haben sichunsterblichen Ruhm erworben.

§. 30.

Die Streitkräfte, ihre Aufstellung und die Operationspläne beider

kriegführenden Parteien im Jahre 1756.

Von Oesterreich und Russland abgesehen, war allerdings die Mehr-zahl der gegen Preussen verbündeten Staaten bedeutend zerrüttet underschlafft; immerhin aber waren die von denselben vorbereiteten Streit-kräfte den preussischen numerisch so sehr überlegen, dass sie im unglei-chen Kampfe Preussens politische Selbstständigkeit zu vernichten drohten.

Was Oesterreich anbelangt, so hatte dasselbe unter der weisen undsparsamen Regierung Maria Theresiens seine innere Einrichtung ausser-ordentlich verbessert, seine Finanzen vermehrt, die ganz neu reorgani-sirte Armee bedeutend verstärkt undvervollkommnet und, nachdem esdengrössten Theil seiner Truppen aus den Niederlanden, Italien und von denGrenzen der Türkei nach Wien gezogen, beschlossen, zwei Armeen in derStärke von ungefähr 80,000 Mann in Böhmen aufzustellen. Die Haupt-armee, unter dem Befehle des Feldmarschalls Browne, begann sich schonin der Nähe von Prag zu concentriren, während die andere, unter demBefehle des Fürsten Piccolomini, sich in der Gegend von Königgrätz sam-melte. Uebrigens war die Zahl der in Böhmen stehenden österreichischenTruppen zu Anfang des Jahres 1756 noch unbedeutend.

Russland hatte versprochen, zu Gunsten Oesterreichs 80,000, imNothfalle sogar 120,000 Mann zu stellen, war aber, sowohl aus finan-ziellen Gründen, als auch hauptsächlich deshalb, weil seine Flotte nochnicht ausgerüstet und seetüchtig war, noch nicht kriegsbereit. Das La-ger jenseits der Düna, in Livland, zählte erst 50,000 Mann, und eswar beschlossen, die Kriegsoperationen nicht früher als im Frühjahr 1757zu eröffnen.

Frankreich hatte sich verpflichtet, 100,000 Mann nach Hannoverzu senden und sie von dort aus in Preussen einrücken zu lassen.

Die Zahl der sächsischen Truppen ging nicht über 18,000 Mann,doch verpflichtete sichAugustlll. dieselbe auf 40,000 Mann zu erhöhen.