4. Der siebenjährige Krieg. S9
letzteren, sondern wurde schon lange Zeit vorher durch die kluge Politikdes österreichischen Staatsministers, Grafen Kaunitz, vorbereitet. Un-geachtet der dreihundert]ährigen Feindschaft und Rivalität zwischenFrankreich und Oesterreich gelang es Kaunitz durch Schlauheit und Ge-duld schliesslich sein Ziel zu erreichen. In diesem Bündnisse waren alleVortheile positiv auf Seiten Oesterreichs. In den vorhergehenden Krie-gen musste es stets grosse Armeen in den Niederlanden, am Rhein undin Italien unterhalten; Frankreich hetzte gegen Oesterreich viele deutscheFürsten auf, reizte gegen dasselbe die Türkei, unterstützte die Unruhenin Ungarn a. s. w. Von allen diesen Calamitäten befreite Kaunitz Oester-reich mit einem Male und bot demselben Gelegenheit, alle seine eigenenKräfte sowie die seiner zahlreichen Bundesgenossen gegen Preussen zuwenden. Frankreich hingegen, das bis dahin der beständige RivalOester-reichs gewesen war und sich auf diesem Wege mit Ruhm und Macht be-deckt hatte, änderte plötzlich die Principien seiner Politik. Indem esseinem Rivalen zur Erlangung des politischen Vorrangs in Deutschlandbehilflich war und, zum Nachtheile des europäischen Gleichgewichts,des Wohles seines eigenen Staates, ja sogar eines Theiles seines Volkes,Preussen feindlich entgegentrat, sank es zu einer Macht zweiten Rangesherab, erschöpfte, ohne für sich daraus Nutzen zu ziehen , seine Kräfteund Mittel in zwei zu gleicher Zeit geführten Kriegen und bewies deut-lich die Verkehrtheit und Planlosigkeit seiner Politik.
Friedrich, auf die Versicherungen Georg's II. bauend, hoffte durchsein Biindniss mit England Russland von Oesterreich zu trennen. SeineHoffnung ging aber nicht in Erfüllung: die Kaiserin Elisabeth Petrownaneigte sich, trotz dem langjährigen Freundschafts-Verhältnisse zwischenEngland und Russland und trotz ihrer Abneigung gegen Frankreich, aufdie Seite Oesterreichs und erneuerte den mit diesem im Jahre 1745 ge-schlossenen Vertrag, nach welchem die Theilung der preussischen Mon-archie schon beschlossene Sache war. Sachsen war von derselben Zeit ander beharrliche Bundesgenosse Oesterreichs. Schweden, um einem neuenKriege mit Russland auszuweichen und in Folge der Intriguen Frank-reichs, trat ebenfalls dem allgemeinen Bündnisse gegen Friedrich II. imJahre 1 754 bei. Endlich schlössen sich fast alle deutschen Fürsten, durcheine falsche, kurzsichtige Politik geleitet und nicht begreifend, dassFriedrich II. nicht allein für Preussens Selbstständigkeit, sondern auchfür die politische Freiheit von ganz Deutschland eintrat, Oesterreich imJahre 1754 an.
Auf diese Weise rüsteten gegen Preussen: Oesterreich, Frankreich,Russland, Sachsen. Schweden und fast das ganze deutsche Reich, wäh-rend Friedrich IL auf seiner Seite nur England und einige deutsche Für-sten hatte. Die Absicht Frankreichs Hannover zu erobern war die Ursache,