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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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88 III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Im Jahre 1748 war Europa den noch bestehenden Bündnissen nachin zwei sich gegenüberstehende Parteien getheilt. Auf der einen SeiteOesterreich mit dem grössten Theile von Deutschland, England, Hollandund Sardinien, auf der andern Frankreich, Spanien, Neapel, Preussen,ein kleiner Theil von Deutschland und Schweden. Von diesen Staatenwaren England und Oesterreich mit gleicher Emsigkeit, wenngleich aufverschiedenen Wegen und aus verschiedenen Gründen, bemüht, den all-gemeinen Frieden Europas zu stören und sich zum Kriege vorzubereiten.Ihre Bemühungen wurden durch vollständigen Erfolg gekrönt. Die ersteVeranlassung zum Beginne des Krieges bot die Erneuerung der früherenStreitigkeiten zwischen England und Frankreich über die Grenzen ihrernordamerikanischen Colonien Canada's), Streitigkeiten, in denen beideParteien seit 175-1 ihre Ansprüche mit dem Schwerte geltend zu machenbeflissen waren. Die seitens England ohne vorhergegangenen officiellenBruch in Nordamerika und zur See verübten Gewalttätigkeiten wieder-holten sich bis zum Jahre 1756, wo endlich England Frankreich denKrieg erklärte. Ludwig XV., längst schon darauf gefasst, wollte inEuropa nicht zuerst den Krieg anfangen. Nach der Kriegserklärung abertrafen die Franzosen an den Küsten der Bretagne und Normandie Vor-bereitungen zur Einschiffung von Truppen nach England. Indessen schlugder Admiral La Glissoniere im mittelländischen Meere die unter dem Be-fehle des Admirals Bing stehende englische Flotte und eroberte der Mar-schall Richelieu nach anhaltenden Anstrengungen die Insel Minorca undPort Mahon. Auch verhehlte Frankreich seine Absicht nicht, sichzur Entschädigung für den Verlust seiner wichtigsten Colonien Hanno-vers zu bemächtigen, hoffend, dass ihm dieses Erbland des englischenKönigs, einmal in Frankreichs Händen, bei einem allgemeinen Friedens-schlüsse die wichtigsten Vortheile bieten würde.

Unter diesen Umständen wandten sich Georg IL und Ludwig XV.fast gleichzeitig an den König von Preussen, der Erstere, um Hannoverzu retten, der Letztere in der Hoffnung, das etwas gelockerte Freund-schaftsband zwischen Frankreich und Preussen wieder zu befestigen.Friedrich IL aber wies, eben so sehr aus politischer Berechnung, als auspersönlicher Abneigung, das Bündniss mit Frankreich zurück und schlossim Jahre 1756 mit England eine Defensiv-Allianz. Diese Allianz war dieerste Verletzung der durch den Aachener Frieden zwischen den europäi-schen Mächten festgestellten politischen Verhältnisse. Ihr folgte balddarauf eine andere Umwälzung, die ganz Europa in Staunen versetzte:Frankreich schloss nämlich im Mai 1756 zu Versailles ein Bündniss mitOesterreich. Auf den ersten Blick scheint es, dass dieses Bündniss dienatürliche Folge des Bündnisses zwischen Preussen und England war;in "Wirklichkeit aber war ersteres nicht im Entferntesten eine Folge des