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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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84 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Kriegen begangenen Fehler und verurtheilt dieselben streng. Die be-deutendsten dieser Fehler waren folgende: die Zersplitterung der Ar-mee in kleine Detachements, die einestheils behufs besserer Verpfle-gung , anderntheils zwecks Besetzung eines grösseren Landstriches zu-weilen verfügte ausgedehnte Cantonnirung seines Heeres, die totale Ab-hängigkeit der Kriegsoperationen von der Truppenverpflegung, die nichtselten beobachtete Unentschlossenheit und Fehlerhaftigkeit der Opera-tionen , endlich die ohne vorher combinirten Zweck und Plan geliefertenZufallsschlachten. Dafür aber stehen andererseits die Operationen Fried-richs II. und der preussischen Heere in vieler Hinsicht ungleich höherals die Operationen anderer Feldherren und Armeen jener Zeit. Be-sonders bemerkenswerth sind dieselben sowohl wegen der MassigkeitFriedrich's II. in der Verfolgung des politischen Kriegszweckes, als auchwegen der Vereinbarung aller seiner Operationen und Unternehmungennicht nur mit diesem Zwecke, sondern auch mit den Mitteln Preussens,ferner wegen der steten, manchmal sogar grenzenlosen Fürsorge Fried-rich's hinsichtlich der Schonung seiner Truppen, wie nicht minder we-gen dessen Festigkeit und Entschlossenheit in gefährlichen Fällen, end-lich wegen der Bevorzugung offensiver Operationen vor defensiven dieeine der Hauptursachen seiner Erfolge war:, hauptsächlich aber bezüg-lich der von Friedrich bekundeten Meisterschaft in der taktischen Kunstund der präcisen Evolutionen seiner Truppen.

Friedrich IL hatte beim Beginn des Krieges mit Oesterreich nur daseine Ziel vor Augen, Schlesien zu erobern. Als er aber sah, dass Oester-reich gesonnen war, ihm diese Provinz abzutreten, wuchs sein Begehrenund er fiel im Jahre 1742 in Mähren und später in Böhmen ein, zugleichin seinem sowohl wie im Interesse seiner Verbündeten handelnd, indemer durch diese Invasionen einen Theil der österreichischen Streitkräftevon diesen letzteren abzog. In gleicher Weise und in gleicher Absichtrückte er im Jahre 1744 in Böhmen ein. Im darauffolgenden Jahre hielter es für ausreichend, in der Defensive zu bleiben und bereitete so denSieg bei Hoheufriedberg vor.

Wenn Friedrich jedoch trotz all den errungenen Erfolgen MariaTheresien nicht bedeutendere und erniedrigendere Friedensbedingungenvorschlug, als die früheren waren; wenn er nicht direct nach Wien mar-schirte um Oesterreich einen harten Schlag beizubringen, was ihm mitseinen vereinten Streitkräften in denJahren 1742, 1744 undl745 unzwei-felhaft möglich gewesen wäre: so hat dies seinen Grund darin, dass er esfür das politische Interesse Preussens als nachtheilig erachtete, wennOesterreich niedergeworfen oder wenigstens durch einBündniss der West-mächte geschwächt worden wäre, da Frankreich dann entschieden daspolitische Uebergewicht in Deutschland und Europa erlangt hätte. Folglich