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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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:t. Der I. und 2. schlesische und der österreichische Erbfolgekrieg. 83

Die Unbestimmtheit der politischen Zwecke der kriegführenden Mächtekam daher, dass deren Streben nach grösserer Centralisirung undArron-dirung ihrer Ländereien das, wie schon oben bemerkt, zuerst im pol-nischen Erbfolgekriege zum Vorschein gekommen war und sich späternoch mit grösserer Intensität im schlesischen sowie im österreichischenErbfolgekriege offenbarte allen an den Kriegen betheiligt gewesenenStaaten gemein und in allen gleich stark, zugleich aber auch, Oester-reich und Preussen ausgenommen, in allen sehr unbestimmt war. NurOesterreich und Preussen hatten im Kriege eine klare, bestimmte Ab-sicht ; die übrigen Staaten gründeten ihre Aussichten und Hoffnungenauf zufällige Wendungen des Kriegsglücks und handelten demzufolgeohne jeglichen bestimmten Zweck.

Alles dies zusammengenommen, war die Ursache, dass selten in derPolitik und den politischen Beziehungen der kriegführenden Mächte nochwährend des Krieges so viele Umschläge erfolgten, selten so viele Bünd-nisse geschlossen, abgeändert und aufgelöst wurden, und daher auchselten im Laufe eines Krieges und der Kriegsoperationen selbst so vieleVeränderungen vorkamen, wie in den schlesischen Kriegen und imösterreichischen Erb folgekriege.

Der diesen und den am Ende des 17. und anfangs des folgendenJahrhunderts geführten Kriegen gemeinsame Charakter entstand. wieoben erwähnt, aus der gleichförmigen Art und Weise der Kriegführung.In der That findet sichin den Kriegsoperationen'der schlesischen Kriegeund des österreichischen Erbfolgekrieges im Allgemeinen dieselbe Unent-schlossenheit, Unbedeutendheit, derselbe totale Mangel der Zwecke, derEinheit, dieselben kleinlichen, unbedeutenden Unternehmungen grosser,hauptsächlich mit getheilten Streitkräften operirender Armeen, dieselbeZufälligkeit der Schlachten und deren Folgen u. s. w. wie in den am Endedes 17. und anfangs des 18. Jahrhunderts geführten Kriegen. Daherwaren auch die Folgen jener Kriege für alle Staaten, die sich an den-selben betheiligten, Preussen allein ausgenommen, ganz ähnlich den Con-sequenzen der Kriege letzterwähnter Zeit. Die schlesischen Kriege und derösterreichische Erbfolgekrieg trugen nur zur Kräftigung Preussens bei; alleübrigen Staaten, selbst England mit inbegriffen, wurden mehr oder we-niger durch dieselben geschwächt, die einen in Folge des Verlustes anLändereien, die andern in Folge der Erschöpfung ihrer Finanzen undeinige in Folge beider Ursachen.

Die Operationen Friedrich's IL in den schlesischen Kriegen tru-gen, ungeachtet ihrer glänzenden und für Preussen vortheilhaftenDurchführung sowie des Ruhmes der in denselben erfochtenen Siege,den Stempel des allgemeinen Charakters der damaligen Kriegführung.Selbst Friedrich IL bekennt in seinen Memoiren offen seine in diesen