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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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3. Der 1. und 2. schlesische und der österreichische Erbiblgekriog. 85

wünschte Friedrich nicht und konnte nicht wünschen. darin Frankreichbehilflich zu sein. Zudem mochte Friedrich wohl die Schwierigkeitenerwogen haben, die sich den gegen Wien gerichteten Offensiv-Operatio-nen entgegen gestellt haben würden, als : Erstens hätte die nur aus Ma-gazinen bewirkte Truppenverpflegung, mit welcher die preussische Ar-mee im Jahre 1744 in Böhmen kaum bis Budweis gekommen war, füreinen längeren Marsch noch weniger ausgereicht; die Armee aber ausLandesmitteln zu verpflegen, war zu jener Zeit nicht üblich, würde alseine Verletzung des Völkerrechts angesehen worden sein und hätte dieöffentliche Meinung Europas gegen ihn aufgebracht; zweitens würde diebedeutende Kraftanstrengung Preussen und besonders dessen Streitkräfteund Geldmittel erschöpft haben, und endlich drittens forderte die gesundePolitik, Oesterreich entweder zu stürzen oder sich ein Recht auf dessenErkenntlichkeit zu erwerben. Friedrich, der das Erstere nicht wünschte,wählte das Letztere, damit Oesterreich , wenn es ihm Schlesien abtrat,seinen übrigen Besitz retten konnte.

Sehr bemerkenswerth ist auch die Sorgfalt, mit welcher Friedrich ILauf allen seinen Feldzügen den Rückzug und die Communicationen sei-ner Armee sicher zu stellen pflegte, indem er stets in Oberschlesien einenTheil seiner Truppen zurückliess. Ohne diese Sorgfalt wäre es den zahl-reichen österreichischen leichten Truppen leicht möglich gewesen, dengrösseren Theil dieser Provinz zu besetzen und so die Communication derHeere Friedrich's mit Preussen zu unterbrechen.

Oft endeten die Operationen Friedrich's sehr ungünstig; aber dieseMisserfolge erschütterten weder seine Festigkeit, noch den Geist seinerTruppen, sie waren für den Erstem eine Lehre für die Zukunft. In letz-terer Hinsicht waren die schlesischen Kriege im Allgemeinen für Friedrichund die preussischen Truppen eine praktische Kriegsschule.

Was die persönliche Fähigkeit Friedrich's in der taktischen Kunstund die Operationen der preussischen Truppen betrifft, so hatten, be-sonders in der zweckmässigen, der Oertlichkeit und den Umständen an-gemessenen gemeinsamen Verwendung aller drei Truppengattungen, we-der Friedrich, noch seine Truppen ihresgleichen. Alle seine vier erstenSchlachten (bei Mollwitz, Chotusitz, Hohenfriedberg und Soor, gehörendem Wesentlichen nach in die Kategorie der zufälligen Begegnungen undder Defensivschlachten, in denen Friedrich erst zum Schlüsse in die Offen-sive überging. Die Schlacht bei Hohenfriedberg, wenngleich absichtlichgeliefert, war jedoch eine Art von Hinterhalt. Die Resultate dieserSchlachten beschränkten sich auf die Verluste des Feindes an Menschen,Geschützen, Trains u. s.w. Auch die Oesterreicher suchten nicht denKampf, sondern Hessen sich in denselben nur ein, entweder weil Friedrich