76 III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
durch die Oberlausitz dorthin märscMren sollte. Als Friedrich dies er-fahren hatte, beeilte er sich, den Verbündeten durch Offensiv-Operatio-nen seinerseits zuvorzukommen. Er sammelte in Niederschlesien gegen35,000 Mann und ging mit denselben unerwartet noch in der Mitte desNovember bei Naumburg über die Queiss, warf bei Gross-Hennersdorfdie sächsischen Vortruppen, bemächtigte sich in Görlitz grosser Maga-zine , die für die Armee des Prinzen von Lothringen hergerichtet waren,brachte dieser Armee in einzelnen Scharmützeln bedeutende Verlustebei, und nachdem er sie gezwungen hatte, sich nach Böhmen über Zittauund Gabel zurückzuziehen, entsandte er den General Lewald mit 10,000Mann über Bautzen, um Dresden zu bedrohen.
Zur selben Zeit rückte der Fürst Leopold von Anhalt-Dessau mit34,000 Mann, die in der Nähe von Halle zusammengezogen wurden,von Westen her in Sachsen ein, verdrängte die sächsischen Truppen ausSchkeuditz und den in der Nähe von Leipzig errichteten Befestigungenund zwang Leipzig zur Capitulation, eroberte hierauf Torgau und Meissen,vereinigte sich in letzterer Stadt mit dem 10,000 Mann starken CorpsLewald's, eröffnete die Communicationen mit Friedrich und, sich nachKesselsdorf wendend, griff er dort am 15. December die 25,000 Mannstarke sächsische Armee an und schlug dieselbe; die Sachsen verlorenbei dieser Gelegenheit gegen 4500 Mann an Todten und Verwundeten,5000 Mann an Gefangenen und 48 Geschütze. Das bei dieser Armeebefindlich gewesene österreichische Detachement, sowie auch die Armeedes Prinzen von Lothringen, die anfangs December von Neuem über Leit-meritz und Aussig nach Sachsen marscliirt und am 14. vor Leipzig an-gekommen war, hatten sich nicht an der Schlacht bei Kesselsdorf be-theiligt. Der Prinz von Lothringen ging unverzüglich nach Böhmen zu-rück und Friedrich vereinigte sich am Tage nach dem Siege bei Kessels-dorf mit dem Fürsten von Anhalt-Dessau und rückte in Dresden ein, dassich ihm ergeben hatte. Seine schnellen und entschlossenen Operationen,sowie auch die des Fürsten von Anhalt-Dessau und der Sieg bei Kessels-dorf hatten zur Folge, dass in Dresden Friedensunterhandlungen mitOesterreich und Sachsen eröffnet wurden, denen bald darauf (25. De-cember) der Abschluss des Friedens zu Dresden folgte. Durch diesenFrieden wurden alle Bedingungen des Breslauer Friedens bestätigt,hauptsächlich dass Schlesien und die Grafschaft Glatz für immer Preussenzugehören sollten. Friedrich seinerseits anerkannte den Gemahl MariaTheresiens Franz I. als deutschen Kaiser und Sachsen verpflichtete sich,an Preussen eine Million Reichsthaler auszuzahlen. Dem Frieden zuDresden traten bei die Kurfürsten von Hannover und der Pfalz, Braun-schweig, sowie der Landgraf von Hessen-Kassel. England bestätigte den-selben in den Jahren 1746 und 1750, Deutschland aber erst im Jahre 1751.