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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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3. Der 1. und 2. sehlesisehe und der österreichische Erbfolgekrieg. 75

österreichische Armee nicht, und ohne irgend welchen Nutzen aus demerfochtenen Siege gezogen zu haben, ging sie nach Schlesien zurück, wosie Winterquartiere bezog. Im Laufe des Herbstes fiel der österreichischeFeldmarschall Graf Esterhazy in Oberschlesien ein; aber die Preussenunter dem Befehle des Grafen von Nassau zwangen , nachdem sie vor-her die Festung Kosel erobert, die Oesterreicher zum Rückzuge nachTroppau und machten ein 2000 Mann starkes Detachement des GeneralsFlandrini zu Gefangenen.

In diesem Feldzuge, ganz ebenso wie im vorhergehenden, führteFriedrich den Krieg fehlerhaft und ungeschickt: er zersplitterte seineArmee in Detachements und schwächte sie derart, dass, obwohl er mit05,000 Mann in Böhmen eingerückt war, er in der Schlacht bei Soor nur18,000 Mann zu Verfügung hatte. In Böhmen operirte er sehr unent-schlossen, war nur für die Verpflegung seiner Truppen besorgt, und un-geachtet der notorischen Ueberlegenheit der Oesterreicher in Führungdes kleinen Krieges und ungeachtet der fehlgeschlagenen Führung des-selben seitens der Preussen im Jahre 1744 nahm er von Neuem Zufluchtzu dieser Art Kriegführung. Daher waren auch die Folgen von derselbenArt. Dafür zeichnen sich aber die taktischen Anordnungen Friedrich'sin den Schlachten bei Hohenfriedberg und besonders bei Soor durch be-sondere Kunst aus. Diese letztere Schlacht zählt zu den glänzendstenHeldenthaten. In derselben machte die auf dem Marsche von einer mehrals doppelt so starken feindlichen Macht plötzlich in der Flanke ange-griffene preussische Armee eine Frontveränderung und griff mit ihremverstärkten rechten Flügel die Spitze* des feindlichen linken Flügels inschräger Schlachtordnung, stufenweise von der rechten Flanke, an, indemsie zu gleicher Zeit ihren linken Flügel zurückschob, durch denselbenden übrigen Theil der österreichischen Armee zurückhielt und alles diesin der grössten Ordnung ausführte. Auf diese Weise wurde die Schlacht-linie der Oesterreicher allmälig geworfen und in Unordnung gebracht.

Im August dieses Jahres erklärte Friedrich II. dem Kurfürsten vonSachsen, als einem Verbündeten Maria Theresiens, den Krieg und sam-melte an der sächsischen Grenze 18,000 Mann unter dem Befehle desFürsten Leopold von Anhalt-Dessau; er eröffnete jedoch die Feindselig-keiten nicht sofort, da er zur selben Zeit (16. August) einen Friedensver-trag mit England in Hannover schloss und auf einen baldigen allgemei-nen Frieden hoffte. Aber Maria Theresia und August III. schlössen sichnicht dem hannoverschen Vertrage an und beabsichtigten sogar 10,000Mann Oesterreicher, die sich am Rhein befanden, mit 25,000 Mannsächsischer Truppen, die in der Nähe von Leipzig concentrirt waren, zuvereinigen und dieselben im Winter durch die Niederlausitz nach Berlinmarschiren zu lassen, während die Armee des Prinzen von Lothringen