74 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
friedberg zurückgewiesen. Ihre Arrieregarde hatte diesen Ort eingenom-men, und indem sie sich dem preussischen linken Flügel entgegenstellte,sicherte sie den weiteren Rückzug des verbündeten Heeres nach Böhmen,wo dieses hinter der Elbe, in der Nähe von Königgrätz, Stellung nahm,nachdem es im Kampfe und während des Rückzuges gegen 15,000 Mannan Todten, Verwundeten und Gefangenen und noch mehr an Fahnen-flüchtigen verloren hatte.
Die taktischen Anordnungen Friedrich's vor und während der Schlachtselbst, durch welche er den Sieg vorbereitete und erfocht, zeichnen sichdurch bemerkenswerthe Geschicklichkeit, besonders hinsichtlich der ge-meinschaftlichen Verwendung aller drei Truppengattungen aus. AberFriedrich benutzte nicht den von ihm erfochtenen Sieg, und obgleich esihm möglich gewesen wäre, die Armee der Verbündeten gänzlich aufzu-reiben oder wenigstens derselben eine noch grössere Niederlage beizu-bringen, so Hess er sie doch ungehindert sich zurückziehen. Er folgte ihrauf dem Fusse über Landshut nach Böhmen und stellte sich derselben inder Nähe von Königgrätz, zwischen den Flüssen Elbe undAdler entgegen.Hier führten beide Parteien anstatt etwas Entscheidendes zu unterneh-men, zwei Monate lang den kleinen Krieg und manövrirten, die einegegen die Communicationen der andern. Aber in dieser Art Operationenwaren die Oesterreicher wiederum überlegen, sie brachten die preus-sische Armee in eine gleiche Lage, wie im vorhergegangenen Jahre,und zwangen schliesslich Friedrich, sich nach der schlesischen Grenzezurückzuziehen. Indem die Verbündeten ihn verfolgten, wollten sie ihndurch einen Flankenmarsch nach Trautenau von Schlesien abschneidenund griffen, 40,000 Mann stark, am 30. September die nur 18,000 Mannstarke preussische Armee auf dem Marsche und in einem für die Opera-tionen derselben nicht günstigen Terrain bei Soor an. Da sie gegen denlinken Flügel der preussischen Armee gerichtet waren, war Friedrich ge-zwungen, zuerst eine Aenderung in der Frontestellung mit Vorschiebungder rechten Flanke vorzunehmen. Der Prinz von Lothringen benutzte dieseGelegenheit nicht und liess die Preussen unbehindert diese schwere undgefährliche Aufstellung ausführen. Darauf warf die preussische Reitereidie Reiterei des österreichischen linken Flügels, und die Infanterie despreussischen rechten Flügels folgte ihrer Reiterei und nahm die auf denAnhöhen postirten feindlichen Batterien. Die österreichische Armee, diein der Flanke und im Rücken umgangen war, gerieth in Unordnung undbegann zu retiriren. Die Reiterei des preussischen linken Flügels benutztedies, machte einen Angriff und vollendete die Niederlage der Oestereicher,die sich mit einem Verluste von 8000 Mann und 22 Geschützen nachKöniginhof zurückzogen. Die preussische Armee, die gegen 3000 Mannverloren hatte, sehr geschwächt war und Mangel litt, verfolgte die