3. Der 1. und 2, sehlcsische und der österreichische Erbfolgekrieg. 71
zu operiren begann, dass Friedrich, dem es nicht möglich war, seineTruppen in verwüstetem und von der Bevölkerung verlassenem Landezu erhalten, gezwungen war, sich den Grenaen Schlesiens zu nähern.
Unterdessen war der Prinz von Lothringen vom Westen her in Böh-men eingerückt, über die Moldau gegangen, hatte in Tabor gegen3000 Mann preussischer Truppen, darunter die Kranken der preussi-schen Armee, abgeschnitten, und folgte mit Traun zusammen Friedrich.Die österreichische Armee, die sich bald gegen die Fronte, bald gegendie Flanken der preussischen Armee in befestigten Positionen deckte,umzingelte und beunruhigte diese von allen Seiten durch leichte Trup-pen, wich stets dem Kampfe aus, sobald Friedrich denselben suchte, undschwächte und erschöpfte durch ununterbrochene Hin- und Hermärscheund Operationen auf den Communicationen der preussischen Armee mitPrag und Schlesien diese so sehr und versetzte sie in eine so kläglicheLage, dass Friedrich im November gezwungen war, sich nach Schlesienzurückzuziehen, wo er Winterquartiere bezog. Die in Prag zurück-gelassene Garnison sollte sich ebenfalls, nach Sprengung der wichtigstenStadtbefestigungen, nach Schlesien zurückziehen. Aber der baldige An-marsch der Oesterreicher nach Prag verhinderte die Ausführung dieserWeisung und Prag wurde von den Oesterreichern mit allen dort befind-lichen preussischen Waffenmagazinen, Parcs und Vorräthen genommen.Der Prinz von Lothringen verfolgte die preussische Armee bis an dieschlesische Grenze und besetzte sogar einen Theil von Oberschlesien;aber der Fürst Leopold von Anhalt-Dessau zwang ihn bald darauf, sichzurückzuziehen; alsdann gingen die Oesterreicher nach Mähren und dieSachsen nach Bunzlau and Leitmeritz
In diesem Feldzuge, der so ungünstig für Friedrich und die preus-sische Armee ausfiel, waren die Operationen der Oesterreicher viel durch-dachter und geschickter und stehen höher als die Operationen Friedrich's,die, mit Ausnahme des Marsches nach Prag und der Eroberung dieserStadt, fehlerhaft und in Folge der Zersplitterung der Streitkräfte und desWunsches, Prag und Schlesien gleichzeitig zu decken, unentschlossenund unbedeutend waren. Die Erfolge der Oesterreicher wurden auch durchihre Ueberlegenheit an Streitkräften überhaupt (97,000 Mann gegen70,000 Mann) und an leichten Truppen, besonders aber durch die feind-selige Stimmung der Bevölkerung Böhmens gegen die Preussen ge-fördert.
Seckcndorf, der dem Prinzen von Lothringen folgte, rückte in Baiernein, verband sich mit den pfälzischen und hessischen Truppen und imSeptember ausserdem noch mit einem Theile französischer Truppen undverdrängte gegen Ende des Jahres die Oesterreicher gänzlich aus Baiern.Karl VII. kehrte von Neuem nach München zurück, starb aber am