70 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des IS. Jahrhunderts.
Folge Kaiserin Katharina IL, geboren und erzogen in Preussen), und dieVermählung der Schwester Friedrich'sIL, der Prinzessin Ulrike, mit demKronprinzen von Schweden-. Friedrich IL wartete auf das Ende dieserUnterhandlungen, sowie auf die Aussöhnung Russlands mit Schwe-den , um nachher durch Vermittelung Schwedens die Neutralität Russ-lands zu erlangen. Unterdessen musste die französische Armee, lautVertrag mit Ludwig XV., einige Zeit die Armee des Prinzen von Loth-ringen am Rhein aufhalten und dadurch die Operationen der Preussen inBöhmen erleichtern. Als aber die Franzosen statt dessen selbst kaumdas Elsass behaupten konnten, so entschloss sich auch Friedrich ohneVerzug die Kriegsoperationen zu eröffnen. Er Hess den Fürsten Leopoldvon Anhalt-Dessau mit 17,000 Mann zurück, um Sachsen zu beob-achten, und Marwitz mit 22,000 Mann in Oberschlesien, um Mähren zubedrohen, und marschirte selbst mit 70,000 Mann Ende August in dreiColonnen aus Sachsen, der Lausitz und Schlesien nach Böhmen, con-centrirte seine Truppen südlich von Prag und belagerte diese Stadt, die6 Tage nach Eröffnung der Laufgräben capitulirte.
Der plötzliche Ueberfall auf Böhmen bewog Maria Theresia geeig-nete Massregeln zu treffen, um die nahe liegenden Truppen in Mähren,Oesterreich und Ungarn (in letzterem Lande war beschlossen worden,45,000 Mann Landwehr aufzubieten-, die jenseits des Rheines befindlicheArmee des Prinzen von Lothringen und das 20,000 Mann starke verbün-dete sächsische Heer zur beschleunigteren Concentrirung bei Budweis zuveranlassen, wo sich alsdann ein Heer von 100,000 Mann ansammelnmusste.
Indessen wollte Friedrich, nachdem er Prag erobert hatte, nachPilsen marschiren. sicli der dort für den Prinzen von Lothringen errich-teten Magazine bemächtigen und durch Einnahme der Pässe in den böh-mischen Gebirgen dieser Armee den Weg nach Böhmen verlegen. Umaber Uneinigkeiten mit den Verbündeten, hauptsächlich mit Karl VII.auszuweichen, war er gezwungen, auf ihre Forderungen einzugehen undnachTabor im südlichen Böhmen zu marschiren, um, indem er das südlicheOesterreich bedrohte, die Armee des Prinzen von Lothringen dorthin abzu-ziehen ; ausserdem zersplitterte er einen bedeutenden Theil seiner Armeedurch Besetzung vieler Punkte in Böhmen, wahrscheinlich in der Hoff-nung, dadurch die an Schlesien grenzenden Bezirke für sich zu behalten.Diese Fehler hatten wichtige Folgen. Im Lager bei Budweis waren un-ter dem Befehle des Feldmarschalls Traun gegen 45,000 Mann Oesterrei-cher, darunter 20,000 Mann leichtes ungarisches Militär, concentrirt.
Kaum hatte sich Friedrich auf einige Tagesmärsche von Prag ent-fernt, als Traun ihn mit seinen zahlreichen leichten Truppen von allenSeiten umzingelte und so erfolgreich auf seine Communicationen mit Prag