58 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
aber war es sehr wahrscheinlich, dass Oesterreich seine ganze Macht ge-gen Preussen wenden würde. Daher sah Friedrich II. die Notwendig-keit ein, von Neuem zu den Waffen zu greifen, um vor Abschluss einesallgemeinen europäischen Friedens Maria Theresia zu zwingen, sich ent-schieden von Schlesien loszusagen, und in Folge dessen bereitete er sichim Geheimen zur Erneuerung des Krieges mit Oesterreich vor.
Inzwischen erklärte Frankreich offen England und Oesterreich denKrieg und stellte zwei Armeen auf. Die Hauptarmee, gegen 80,000 Mannstark, unter dem persönlichen Befehle Ludwig'sXV., befand sich in Flan-dern und war bestimmt, offensiv zu operiren. Die zweite Armee, die imElsass unter dem Befehle des Marschalls Coigny gesammelt worden war,hatte die Bestimmung, das Elsass und das linke Rheinufer von Mainz biszum Fort Louis oder fast bis Strassburg zu vertheidigen. Der ArmeeCoigny's schloss sich bald darauf Seckendorf mit 20,000 Mann bairi-scher Truppen an, die aus Baiern angelangt waren. Die Verbündetenihrerseits sammelten gegen 76,000 Mann in den Niederlanden, imLager bei Alost, in der Umgegend von Brüssel, und gegen 70,000 Mannunter dein Befehle des Prinzen von Lothringen im Lager bei Heil-bronn. Ludwig XV. eröffnete den Feldzug mit der Belagerung der Fe-stung Meuin, und nach Einnahme derselben eroberte er Ypern, Furnesund die kleine Festung Knock. Unterdessen marschirte die Armee desPrinzen von Lothringen nach Pbilippsburg, gingiu der Nähe dieserFestung über den Rhein und drängte die Armee Coigny's hinter die Mo-der zurück. Ludwig Hess in den Niederlanden den Marschall Grafen vonSachsen mit 45,000 Mann zurück und eilte selbst mit den übrigen Trup-pen in das Elsass, wohin er auch die nahen Detachements beorderte,wodurch die Armee Coigny's auf eine Stärke von gegen 90,000 Mannheranwachsen musste. Solch eine Concentrirung der Streitkräfte seitensder Franzosen konnte sehr gefährlich für die Armee des Prinzen vonLothringen werden, um so mehr, da diese zu derselben Zeit, aus weiterunten angeführten Gründen, einen Rückmarsch nach Böhmen ausführte.
Aber die Krankheit Ludwig's XV. verursachte eine Verzögerung inden Operationen der Franzosen, so dass die Armee des Prinzen vonLothringen ungehindert auf das rechte Rheinufer überzugehen vermochteund derselben nach Baiern nur allein Seckendorf mit den bairischenTruppen folgte.
In Italien belagerten der Prinz Conti und Don Philipp, die am An-fange des Jahres mit der französisch-spanischen Armee aus der Provencenach Piemont eingerückt waren, die Stadt Coni, schlugen am FlusseStura die Truppen des Königs von Sardinien, eroberten Villafranca,Oneglia und Nizza, waren aber im Herbst sowohl aus Mangel an Proviantals wegen Austritt der Gewässer gezwungen, nach Piemont zurück-