3. Der I. und 2. sehlesische und der österreichische Erbfolgekrieg. 65
1,700,000 Thaler österreichischer, durch die Einkünfte von Schlesiensichergestellter .Staatsschuld zu zahlen. Am Ende des Jahres trat diesemFrieden Sachsen bei und der Kurfürst von Hannover (der englische KönigGeorg II.) schloss mit Friedrich ein Freundschafts-Bündniss.
Als Oesterreich den Krieg mit Preussen beendet hatte, wandte esseine ganze Macht gegen die Franzosen, Baiern und Spanier. NachdemPrinz Karl von Lothringen die österreichischen Truppen in Böhmen zu-sammengezogen hatte, blokirte er Prag und in demselben den MarschallBroglio mit der ganzen französischen Armee. Maillebois marschirte mitseiner 40,000 Mann starken Armee aus Westfalen nach Böhmen der Ar-mee Broglio's zu Hilfe. Aber der Prinz von Lothringen, einen Theil sei-nes Heeres vor Prag zurücklassend, ging ihm entgegen und hielt ihnnicht nur auf, sondern zwang ihn sogar, mit Hilfe Khevenhüller's, der mitseiner Hauptmacht aus Baiern nach Böhmen gekommen war, sich nachBaiern zurückzuziehen, wo sich Maillebois mit der bairischen ArmeeSeckendorf's vereinigte. Daraufhin setzten die Oesterreicher die Belage-rung von Prag fort. Doch bald nachher entstand in der französischen Ar-mee eine so grosse Hungersnoth und nahmen Krankheiten und Sterbe-fälle dermassen zu, dass Broglio, den Marschall Belleisle mit 22,000 Mannzurücklassend, Prag verliess und sich nach Baiern begab.
Ungeachtet Hungersnoth und Krankheiten in seiner Armee dieschrecklichsten Verheerungen anrichteten, hielt Belleisle bis zum De-cember 1742 in Prag aus; aber endlich, nachdem er grosse Verluste er-litten und nicht mehr im Stande war, sich in Prag länger zu halten, ver-liess er die Stadt während der Nacht und es gelang ihm. wenngleich mitgrössterMühe und nur mit einer unbedeutenden Truppenzahl (9000 Mann),sich nach Eger und von dort nach Baiern durchzusehlagen. Nach Entfer-nung der Franzosen occupirten die Oesterreicher Prag und ganz Böhmen.Anderseits waren München und fast ganz Baiern auch in der Gewaltder Oesterreicher. Wenngleich der Herzog d'Harcourt mit einem Corpsfranzösischer Truppen über den Rhein gegangen und nach Vereinigungmit den pfälzischen und hessischen Truppen, im Ganzen mit 26,000 Mann,in Baiern eingedrungen war und die Oesterreicher aus demselben ver-drängt hatte, so hatten docli die letzteren, mit Verstärkungen verseilen,gegen Ende des Jahres ganz Baiern eingenommen. D'Harcourt, der vielstärker als Khevenhüller war, hätte wichtige Erfolge über Letztern er-zielen können; aber er hatte von seinem Hofe den geheimen Befehl,nichts Entscheidendes zu unternehmen, und beschränkte sich daher aufdie allerunbedeutendsten Operationen. Am Ende des Jahres, als Kheven-hüller sich nach Böhmen begab, eroberte Seckendorf Niederbaiern undMünchen und KarlVII. kehrte in seine Residenz zurück, aber nicht auf lange.
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. III. 3. 5