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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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3. Der 1. und 2. schlesische und der österreichische Erbfolgekrieg. 63

bringen, beschloss er, 25,000 Mann preussischer Truppen, die in Ober-schlesien lagen, mit den an der Sazawa in Böhmen befindlichen säch-sischen Truppen zu vereinigen unddirect nach Wien zu marschiren, nichtum die Hauptstadt Oesterreichs zu erobern, sondern um die Oesterreichervon Böhmen und Baiern abzuziehen und sich zeitweise Mährens zu be-mächtigen. In dieser Absicht marschirte er (im Februar 1742) nachOlrnütz, das schon vorher von preussischen Truppen unter dem BefehleSchwerins besetzt worden war, zog einen Theil der französischen undsächsischen Truppen aus Böhmen an sich, eroberte Iglau und marschirteüber Znaim nach Wien. Seine leichten Truppen waren bereits nur nocheinen Tagesmarsch von Wien entfernt; aber die Uneinigkeit unter denVerbündeten, die Unordnung bei den sächsischen Truppen und dieWeigerung der sächsischen Kegierung, Belagerungsartillerie zur Bela-gerung von Brunn zu stellen, machten die Unternehmung gegen Wieuerfolglos und unnütz, weil sie nicht im Entferntesten die Oesterreicherweder von Böhmen, noch von Linz, noch von Baiern abzog. Segur über-gab Linz an Khevenhüller, welcher sich darauf in Oberösterreich befe-stigte, während die österreichische Hauptarmee, deren Commando derHerzog von Toscana seinem Bruder, dem Prinzen Karl von Lothringen,übergeben hatte, in Böhmen blieb und der französisch-sächsischen Armee,die nach Entfernung des Marschalls Belleisle unter den Befehl des Mar-schalls Broglio kam, Stand hielt.

In Folge dieser Ereignisse Hess Friedrich IL beiOlmütz 15,000Mannpreussischer Truppen unter dem Befehle des Fürsten von Anhalt-Des-sau zurück, marschirte selbst mit 8000 Mann über Zwittau und Leito-misehl nach Böhmen und vereinigte sich in Chrudim mit 12,000 Mannpreussischer Truppen ,jj die schon bei Beginn des Feldzuges unter demBefehle des Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau aus Brandenburg nachBöhmen dirigirt worden waren. Bald darauf zogen sich die sächsischenTruppen nach Sachsen zurück und Broglio weigerte sich, ferner demKönige Friedrich Hilfe zu leisten, der auf diese Weise in Böhmen mitnur 20,000 Mann verblieb und ganz auf seine eigenen Kräfte angewie-sen war.

Inzwischen warj der Prinz Karl von Lothringen mit mehr als30,000 Mann, die er in Unterösterreich gesammelt, in Mähren einge-rückt, hatte den Fürsten von Anhalt gezwungen, sich nach Schlesienzurückzuziehen und marschirte nach Böhmen, Friedrich auf dem Fussefolgend. Er beabsichtigte, direct nach Prag zu marschiren und auf demMarsche dorthin die preussische Armee von Broglio sowie von ihren Ma-gazinen in Czaslau und Kollin abzuschneiden und hoffte, dieselbe mitleichter Mühe schlagen zu können, indem er sie für sehr schwach hielt.Aber als Friedrich von den Bewegungen des Prinzen Kunde erhalten,