62 III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Im November desselben Jahres (1741) wurde durch den in dasHerzogthum Mailand erfolgten Einmarsch spanischer unter dem Befehledes Herzogs von Montemar stehender Truppen der Krieg in Italien er-öffnet.
§•20.
Der Feldzug von 1742. — Operationen in Ob er Österreich, Mähren,Böhmen, Baiern und Italien.
Nachdem sie sich also zeitweise von Friedrich II. befreit hatte,konnte Maria Theresia alle ihre Kräfte zur Abwehr ihrer übrigen Feindeverwenden. Der erste und Hauptgegenstand ihrer Fürsorge war die Bil-dung einer starken Armee. Die Hingebung und der Eifer ihrer Unter-thanen, insbesondere der kriegerischen und tapferen Ungarn, boten ihrdazu die nöthigen Mittel. Auf dem in Pressburg einberufenen ungari-schen Landtage wurde beschlossen, eine Volkslandwehr (Insurrection)zu stellen, welche sich bis auf 40,000 Mann, davon die Hälfte ausge-zeichnete leichte Cavallerie, belaufen durfte. Ausserdem beschloss dieösterreichische Kegierung, in Ungarn 15,000 Mann Linientruppen undeine dem entsprechende Anzahl in den anderen Provinzen auszuhebenund gab den Truppen, die in entfernten Gegenden des Eeiches dislocirtwaren, den Befehl, sich in Oesterreich zu concentriren. Aut diese Weisewurden, nach dem geheimen Vertrage mit Friedrich IL, 20,000 Mannösterreichischer Truppen unter dem Befehle des Feldzeugmeisters GrafenKhevenhüller den Franzosen und Baiern entgegengeschickt. Dieselbendrängten Segur aus den Befestigungen an der Enns nach Linz undcernirten ihn dortselbst. Bald darauf (anfangs Januar 1742) marschirteein anderes österreichisches Truppencorps unter dem Befehle des Ge-nerals Bärenklau nach dem Inn, eroberte die Stadt Passau, rückte inBaiern ein und occupirte dasselbe. Solchergestalt büsste der Kurfürstvon Baiern, der zur selben Zeit (im Januar) von den Reichsständen, un-ter dem Namen Karl VII., zum Kaiser von Deutschland erwählt wordenwar, seine Erblande ein, und da er seitens Frankreichs nicht die erfor-derliche Thatkraft wahrnahm, wandte er sich an Friedrich IL mit derBitte um Hilfe.
Der zwischen Friedrich IL und Maria Theresia geschlossene geheimeVertrag war schon lange kein Geheimniss mehr; Frankreich tadelte offendie Unthätigkeit Friedrich's, und Oesterreich, durch seine Erfolge ermu-thigt, war schon auf die Zurückeroberung Schlesiens bedacht. Alles diesbewqg Friedrich zu dem Vorsatze, auf die Bitte -KarFs VII. einzugehenund durch Erneuerung der Feindseligkeiten Oesterreich zuvorzukommen.Um seine eigenen Vortheile mit denen seiner Verbündeten in Einklang zu