:s. Der 1. und 2. schlesische und der österreichische Erbfolgekrieg. 61
verwüstet, und der Kurfürst von Baiern marschirte direct auf Wien los.Im September besetzte eine andere 40,000 Mann starke französische Ar-mee unter dem Befehle des Marschalls Maillebois Westfalen behufs Beob-achtung der Engländer, die sich in Hannover befanden; abgesondertefranzösische Corps wurden gegen die niederländische Grenze und nachItalien entsendet, während 20,000 Mann sächsischer Truppen unter demBefehle Rutowsky's in Böhmen einrückten.
Der Kurfürst von Baiern war nur noch zwei Tagemärsche von Wienentfernt und hätte dasselbe leicht erobern können; aber befürchtend, dassdie Sachsen, die allein Böhmen besetzt hielten, ihm diese kostbare Beute,die er schon als sein Eigenthum betrachtete, entreissen könnten, Hess erdie Generale Segur und Minuzzi mit einem Theile der französisch - bai-rischen Armee in Oesterreich, um dasselbe und Baiern zu decken, zurückund ging selbst mit dem andern Theile der Armee nach Böhmen, eroberteBudweis und Tabor, griff nach Vereinigung mit den Sachsen Prag anund erstürmte es. Der Herzog von Toscana eilte, nachdem er die Ar-mee Neipperg's sowie die Truppen des Fürsten Lobkowitz, im Ganzengegen 40,000 Mann, an sich gezogen hatte, über Neuhaus und Bene-schau Prag zu Hilfe, vermochte aber nicht, die Eroberung dieser Stadtzu hindern, und zog sich nach Budweis und Chrudim in Südböhmen zu-rück. Die weiteren Operationen in Böhmen beschränkten sich nunmehrbeiderseits auf den kleinen Krieg.
Inzwischen erfuhr Friedrich IL noch im Anfange des August dass,Neipperg die Absicht hege, durch geheime Verbindungen mit dem Magi-strate und einem Theile der Bewohner Breslaus diese für die Preussenso wichtige Stadt, über welche ihre Etappenstrasse führte, und wo siegrosse Magazine etablirt hatten, durch Ueberrumpelung zu nehmen. Erbeeilte sich, Neipperg zuvorzukommen und belegte die Stadt mit einerstarken preussischen Garnison, gleichsam als Strafe für die Nichtbeach-tung der Neutralität. Daraufhin wandte er sich gegen Neipperg selbst,der eine starke Position zwischen Frankenstein und Silberberg innehatte, und versuchte, ihn durch Manöver zuerst von der Festung Neisse,dann von Mähren abzuschneiden; doch gelang ihm weder das Eine nochdas Andere.
Die damals Oesterreich von allen Seiten drohende Gefahr bewogMaria Theresia, durch Englands Vermittelung mit Friedrich IL in Unter-handlungen zu treten und schliesslich mit ihm einen geheimen Vertragzu schliesen, in Folge dessen die Festung Neisse den Preussen abgetre-ten ward, die Oesterreicher sich nach Mähren zurückzogen und diePreussen, nachdem sie einen Truppentheil zur Belagerung von Glatz zu-rückgelassen hatten, theils in Oberschlesien, theils in Böhmen Winter-quartiere bezogen.