3. Der 1. uud 2. schlesische und der österreichische Erbfolgekrieg. 59
bei Olmütz eine der preussischen Armee in Schlesien fast gleich starkeTruppenmacht (gegen 25,000 Mann) zusammengezogen. Neipperg wusstedie ungemein ausgedehnte Cantonnirungs-Linie der preussischen Armeegeschickt zu benutzen. Indem er alle seine Streitkräfte gegen das Cen-trum derselben bei Jägerndorf concentrirt und sich in der Fronte durcheine Kette leichter Trappen gedeckt hatte, marschirte Neipperg überZuckmantel nach Neisse undBrieg, in der Absicht, die ausgedehnte Linieder Preussen im Centrum zu durchbrechen, die Festung Neisse zu ent-setzen und sich inOhlau der Belagerungsartillerie des Feindes, sowie allerseiner Magazine in Breslau zu bemächtigen. Das Erstere gelang ihmvollständig: er durchbrach die feindliche Armee, trennte ihre beiden Flü-gel von einander und hätte die Preussen gänzlich schlagen können, wenner nun schneller vorgerückt wäre und Weht dem Könige Zeit gelassenhätte, nicht nur der ihm drohenden Gefahr auszuweichen, sondern auchnoch den kühnen Marsch der Oesterreicher zu ihrem Nachtheile zu wen-den. Da nun die Concentrirung der preussischen Armee nicht mehr mög-lich war, so zog sich der rechte Flügel derselben (7000 Mann), der un-ter dem Befehle des Herzogs von Holstein sich bei Frankenstein gesam-melt hatte, nach Strehlen zurück, und mit dem linken Flügel fgegen24,000 Mann) eilte Friedrich selbst im Flankenmarsch nach rechts überdie Neisse nach Ohlau, um Neipperg auf dem Wege nach Brieg zuvor-zukommen. Beide Armeen waren fast gleich stark fjede derselben hattegegen 24,000 Mann); die österreichische jedoch hatte mehr Reiterei,und die preussische mehr Infanterie und Artillerie. Am 10. April inMollwitz angelangt, liess Friedrich seine Armee mit dem linken Flügelgegen den Bach Lauchwitz und mit dem rechten gegen das Dorf Herms-dorf aufmarschiren. Die Beschränktheit des Terrains zwang ihn, aufder rechten Flanke, zwischen der ersten und zweiten Gefechtslinie undperpendiculär zu denselben {enpotence}, 3 Bataillone Infanterie aufzu-stellen, und der numerischen Ueberlegenheit der feindlichen Cavalleriewegen placirte Friedrich, nach dem Beispiele Gustav Adolph's, in dieIntervalle seiner Reiterei zwei Bataillone Grenadiere. Neipperg, ge-zwungen, seine Armee unter dem Feuer der preussischen Artillerie in dieGefechtsaufstellung rücken zu lassen, war in Gefahr, in Theilen ge-schlagen zu werden. Unter diesen Umständen griff der österreichischeGeneral Römer, um den übrigen Truppen Zeit zur Aufstellung zu ver-schaffen , mit der Reiterei des österreichischen linken Flügels die despreussischen rechten Flügels auf ihrem Marsche nach Hermsdorf, wo dieletztere Aufstellung nehmen sollte, heftig an und warf sie zurück. EinTheil der österreichischen Reiterei übernahm nun die Verfolgung derpreussischen, wurde aber durch das Feuer der auf dem rechten Flügelder preussischen Armee senkrecht zu den Gefechtslinien aufgestellten