58 III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
§• 19.Der erste sohlesisehe Krieg. Der Feldzug von 1740—1741.
Zum Einfall in Schlesien bereit, sandte Friedrich II. den GrafenGotter zu Maria Theresia nach Wien mit dem Anerbieten, ihre Rechteauf den österreichischen Thron aufrecht erhalten zu helfen, falls siePreussens Rechte auf Schlesien anerkennen wollte. Im Falle der Zu-rückweisung dieses Vorschlages (woran Friedrich nicht zweifeln konnte)sollte Graf Gotter sofort Oesterreich den Krieg erklären. Aber Graf Got-ter war sozusagen nur anstandshalber abgesandt worden, denn noch eheer Wien erreichen konnte, war Friedrich II. (am 23. Deeember 1740)mit "20 Bataillonen und 30 Escadronen (gegen 16,000 Mann) in Schlesieneingerückt, wo er den Einwohnern erklärte, dass er ihr Verbündeter seinund sie gegen die Unterdrückungen der österreichischen Regierungschützen wolle. Sein Marsch durch Schlesien fand nicht nur keinenWiderstand, weil dort fast gar keine Truppen vorhanden waren, sondernglich vielmehr einem Triumphzuge in einer eigenen Provinz.
Das ganze Unterschlesien ward ohne Schwertstreich eingenommen,die Stadt Breslau, welche die Rechte einer freien Reichsstadt genoss,durch Drohungen zur Neutralität gezwungen, von der Stadt Ohlau Besitzergriffen, während die Festungen Glogau und Brieg blockirt wurden.Vergebens versuchte der österreichische General Browne, der abgeschicktworden war, um Friedrich aufzuhalten, und der kaum 3000 Mann auf-zubringenvermochte, sich Breslaus zu bemächtigen. Der GenerallieutenantSchwerin, der mit 5000 Mann preussischer Truppen über Liegnitz undSchweidnitz nach Oberschlesien marschirte, nahm von Jägerndorf, Trop-pau und Glatz Besitz, säuberte ganz Oberschlesien bis zur Neisse und zwangBrowne, sich nach Mähren zurückzuziehen. Nach erfolglosem Bombarde-ment der Festung Neisse hatte ein Theil der preussischen Truppen dieselbeblockirt, während die übrigen hinter der Oppa längs der mährischen undselbst bis an die ungarische Grenze (Jablonka) hin Winterquartiere be-zogen. Einstweilen beschäftigte sich Friedrich eifrig mit den Vorberei-tungen zu den im Frühjahr 1741 beabsichtigten weiteren Operationen.Im Februar dieses Jahres wurde die preussische Armee in Schlesiendurch Truppensendungen verstärkt und in Genthin, in der Nähe Branden-burgs, concentrirte sich unter dem Befehle des Fürsten von Anhalt-Des-sau ein preussisches Armeecorps in der Stärke von 30 Bataillonen und40 Escadronen (gegen 22,000 Mann), welches die Aufgabe hatte, Sach-sen und Hannover, deren Haltung zweifelhaft war, zu beobachten.
Auch die Oesterreicher bereiteten sich indessen eifrig zum Kriegevor. Unter dem Befehle des Feldmarschall-Lieutenants Neipperg wurde