3. Der 1, und 2. schlesische und der österreichische Erbfolgekrieg. 57
keinen General gab, der fähig gewesen wäre. einen Krieg mit Geschickzu führen.
Die Preussen begünstigte noch die Glaubensgemeinschaft mit demgrössten Theile der Bewohner Schlesiens, den Protestanten, sowie derUmstand, dass diese Provinz fast ganz von Truppen entblösst war. DieVortheile, welche aus der Eroberung Schlesiens für Preussen sich er-geben konnten, waren offenbar gross : in politischer Hinsicht wegen seinesKeichthums und seiner starken Bevölkerung und in militärischer Bezie-hung, \veil man durch die Occupation der oberen Oder und Einnahmeder an derselben befindlichen festen Punkte einen trefflichen Stützpunktfür weitere Operationen gegen Oesterreich erlangen konnte. Günstigerkonnten somit die Verhältnisse für die Eroberung eines feindlichen Land-striches nicht liegen, konnten schwerlich mehr Vortheile aus einer solchenin staatlicher Hinsicht resultiren als hier; wohingegen die VerhältnisseOesterreichs kaum trostloser sein konnten als am Ende des Jahres 1740.Dessenungeachtet war Oesterreich, trotz seiner finanziellen Zerrüttung,noch eine der stärksten europäischen Mächte, weil es reiche Hilfsquellenbesass, die nur aufgeschlossen und geschickt ausgebeutet werden mussten.Von allen gegen Oesterreich feindlich gesinnten Staaten waren Spanien,Sardinien, Baiern und selbst Frankreich demselben wenig gefährlich.Frankreich war stark, befand sich aber in finanzieller und militärischerHinsicht wohl noch in grösserer Zerrüttung als Oesterreich. Ausserdemmussten unter den Gegnern Oesterreichs, schon des Zweckes wegen, denjeder von ihnen verfolgte — die Erlangung des österreichischen Thronesfür sich selbst —, Missgunst, Uneinigkeit und Zwist entstehen. Einviel gefährlicherer Feind für Oesterreich war Friedrich II. , sowohl ver-möge seiner hohen persönlichen Begabung, als auch in Folge des blühen-den ZustandesPreussens, seiner ausgezeichneten Kriegsmittel und wegender ungewöhnlichen moralischen Entwickelung der preussischen Volks-macht. Daher verliess sich denn auch Friedrich IL viel mehr auf seineeigenen Kräfte und Mittel als auf die Hülfe der Gegner Oesterreichs undbereitete sich kühn auf einen Krieg vor, der, wenn er auch nicht mit demVölkerrechte übereinstimmte, so doch Preussen wesentlich zum Heilegereichte.
Am Ende des Jahres 1740 belief sich die Kriegsmacht Preussens,wie schon oben angegeben worden, auf 80,000 Mann, von denen ge-gen 16,000 Mann an der Grenze Schlesiens concentrirt waren. Oester-reich aber hatte zu jener Zeit nahe an 43,000 Mann in Ungarn,16.000 in Italien, 12,000 in den Niederlanden und nur fünf oder sechsRegimenter in den Erblanden, im Ganzen also gegen 80,000 Mann. DerPlan, Schlesien mit einer bedeutenden Truppenmacht zu besetzen, wurdeweder zu Lebzeiten Karl's VI., noch nach seinem Tode ausgeführt.