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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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3. Der 1. u. 2. schlesische und der österreichische Erbfolgekrieg. 55

diesem Kriege, in welchem Oesterreich seine besten Besitzungen inItalien einbüsste. Die Operationen in diesem Kriege sind durch nichtsBesonderes bemerkenswerth; dessenungeachtet ward Oesterreich imFriedensschlüsse zu Wien (1735) gezwungen, zu Gunsten des InfantenDon Carlos die Königreiche Neapel, Sicilien und die Insel Elba an Spa-nien abzutreten, und erhielt dafür die italienischen Herzogthümer Piacenzaund Parma. Frankreich erwarb die Herzogthümer Lothringen und Bar,die an Stanislaus Lescinsky als lebenslängliches Besitzthum überlassenwurden.

Der polnische Erbfolgekrieg ist mehr in politischer als in kriegeri-scher Hinsicht bemerkenswerth. In demselben kommt zuerst das Strebender europäischen Staaten nach einem neuen politisch wichtigeren undden Charakter der Kriege ändernden Ziele zum Vorschein. Dieses Zielwar die Abrundung der Staatsgrenzen und die Erwerbung neuer Lände-reien, gleichwie im 16. und 17. Jahrhundert, in dem Bündniss zwi-schen Religion und Politik, religiöse Tendenzen und am Ende des 17.und anfangs des 18. Jahrhunderts die Aussicht auf Hebung des Han-dels und Bereicherung die hauptsächlichsten Beweggründe der Hand-lungsweise dereuropäischen Staaten gewesen waren.

Unterdessen hatte der deutsche Kaiser Karl VI., da er keinen männ-lichen Nachfolger besass, im Jahre 1713 einen Familienact, die sogenanntepragmatische Sanction, proclamirt, kraft deren die älteste Tochter diesesHerrschers, Maria Theresia, die an den Herzog Franz von Toscana (frü-her von Lothringen) verheirathet war, zur Erbin aller Erb- und anderenLande des Hauses Oesterreich in Deutschland. Ungarn, den Niederlandenund Italien eingesetzt wurde. Die pragmatische Sanction ward im Laufeder Zeit von 1713 bis 1740 allmälig von den Erblanden des HausesOesterreich, dem deutschen Reiche und allen europäischen Staaten aner-kannt , die feierlich für die Erfüllung und Anerkennung derselben ein-standen. Dessenungeachtet rief die Besteigung des österreichischen Thro-nes durch Maria Theresia einen neuen, allgemeinen europäischen Krieghervor.

In der That, kaum war Karl VI. gestorben (20. October 1740), alsPhilipp V., König von Spanien, Karl Albert, Kurfürst von Baiern,August III., Kurfürst von Sachsen und König von Polen, sich auf ihreVerwandtschaft mit dem Hause Habsburg in weiblicher Linie und auffrühere Verträge stützend, ihre Rechte auf den österreichischen Throngeltend machten und gegen die Thronfolge MariaTheresiens protestirten,während EmanuelllL, König von Sardinien, Ansprüche auf das Herzog-thum Mailand erhob.

Den 31. Mai desselben Jahres hatte Friedrich IL den Thron Preussensbestiegen, also zu einer Zeit, wo Preussen schon reiche Staatsmittel und