44 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
sich. Die Einrichtung der Artillerie- und Proviantfuhren wurde mehroder weniger vervollkommnet (inPreussen schon nach Friedrich II. unterFriedrich Wilhelm IL). Bei den Franzosen, Oesterreichern u. A. wurdeder Train durch gemiethete Pferde laut Accord befördert, bei den Preus-sen aber wurden die Pferde für die Bagagebeförderung vom Landegestellt.
Hinsichtlich der militärischen Zucht und Ordnung in den Armeenund des Geistes derTruppen, stand die preussischeArmee höher als alleübrigen und am niedrigsten die französische. Der niedrige Stand der preus-sischen Armee (siehe §. 11) brachte es mit sich, dass schon unter den Vor-gängern Friedrich's IL, insbesondere unter seinem Vater, ungemeinstrenge Dienstordnung, Subordination und Disciplin in derselben ein-geführt wurden. Alles dieses erhielt sich auch unter Friedrich IL unver-ändert , da der Bestand der Armee derselbe geblieben war. Mit dieserStrenge war jedoch eine so grosse Gerechtigkeit verbunden, der Militär-stand so erhöht, ausgezeichnet, geachtet, der Einfluss Friedrich's IL,seines Ruhmes und seiner Erfolge auf die preussischen' Truppen und dieHingebung der letzteren für den Ersteren so stark, dass Geist und Zuchtin der preussischen Armee vortrefflich waren und dieselbe, von dem Bei-spiele Friedrich's IL beseelt, selbst beim Misslingen seiner Unterneh-mungen den Muth nicht sinken Hess und die Ordnung aufrecht zu er-halten verstand. Es konnte sich auch keine Armee mit der preussischenhinsichtlich der Zucht und Ordnung im Dienste vergleichen. Der Gar-nisons- und Felddienst wurde mit grosser Einförmigkeit, Genauigkeitund Regelmässigkeit gehandhabt. Zur Aufrechthaltung der Ordnungunter den Truppen in Kriegszeiten trug viel die Gepflogenheit bei, die-selben in grösseren oder kleineren Abtheilungen, die Infanterie in Städtenund die Reiterei (nicht weniger als 2—3 Escadronen zusammen) in Dör-fern, auf Quartiere zu vertheilen.
Wenngleich der Stand der österreichischen Armee ein hoher genanntwerden konnte und die Truppen geduldig waren, grosse Beschwerden zuertragen vermochten und sich durch viele gute Eigenschaften auszeich-neten , so war dennoch die Zucht und Ordnung in der österreichischenArmee, in Folge der früheren ununterbrochenen Kriege und hauptsäch-lich wegen der Missbräuche der höheren Vorgesetzten, ungeachtet derstrengen Disciplin im Verfall; in Kriegszeiten trug unter Anderm derUmstand viel dazu bei, dass man die Truppen, besonders die Reiterei, ge-wöhnlich in allzu zersplitterten Abtheilungen bequartierte. Die öster-reichischen Truppen Hessen sich sehr oft grosse Ausschreitungen und Plün-derungen zu Schulden kommen (so z.B. in Genua im Jahre 1746, in denSchlachten bei Mollwitz und Chotusitz . bei der Eroberung von Schweid-nitz u. a. in.). Der Feldmarschall Dann und Kaiser Joseph IL waren