40 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Anfange der Regierung Friedrich's gleichsam die Mittelpunkte, vonwelchen aus sich schnell über ganz Europa die in der damaligen Zeitbewunderten vom Könige von Preussen eingeführten Neuerungen undVerbesserungen verbreiteten. Aber am Ende der Periode hatten dieNachahmer ihren Vorbildner erreicht und die taktische Einrichtung undOperationsart der Truppen vervollkommneten sich schon gleichmässig inallen Staaten.
Von den Vervollkommnungen am Ende dieser Periode sind be-merkenswerth : die vom Feldmarschall Lascy in der österreichischenArmee eingeführte Bewegung auf die hintere Reihe, die von Friedrich II.in der preussischen Armee eingeführten Schwenkungen und Abschwen-kungen in kleinen Theüen, in Flankenzügen. das Sammeln der Reitereinach gemachtem Angriffe, gleichzeitig mit der Fortsetzung des Angriffsu. s.w., ferner besonders die Evolutionen des preussischen Generals Sal-dern. Diese Evolutionen bestanden in einem verstärkten, direct gegeneine der feindlichen Flanken gerichteten Angriff, im Durchbrechen derfeindlichen Gefechtslinie, im Rückzüge in schachbrettförmiger Ordnung,im Carremarsch, im Marsche in geschlossenen Colonnen u. a. m. Siewurden zuerst in der preussischen und später auch in den anderen Ar-meen eingeführt.
Im Manövriren war im Laufe dieser ganzen Periode die preussischeArmee die tüchtigste, die französische Armee hingegen die am wenigstenbefähigte, was daher kam, dass es derselben sowohl an einer guten tak-tischen Eintheilung, als an Ordnung und Disciplin fehlte. Wie sehrman sich dort am Ende dieser Periode abmühte, man vermochte nichtdiese wesentlichen Mängel zu beseitigen, ja auch nur abzuschwächen.
Die Marschbewegungen der Armeen wurden ausgeführt : bei denFranzosen in 8 und mehr (bis 12) Colonnen, bei den Preussen, Oester-reichern und den übrigen Armeen in 3, 4 und nicht mehr als 6 Colonnen.Hier ist zu bemerken, dass keine der west - europäischen Armeen dieMärsche in solch strenger Ordnung und mit solcher der Nothwendig-keit entsprechenden Schnelligkeit bewerkstelligte wie die preussische.In derselben bildete, wenn die Umstände es erlaubten und der Feindnahe war, jede Schlachtlinie eine besondere Colonne. Den Colonnenvoraus marschirte die Avantgarde, die aus Husaren, leichter Infanterie,Artillerie, Arbeitern, Pontons u. s. w. zusammengesetzt war. Die Re-gimentsartillerie folgte ihren Bataillonen und Regimentern, die Positions-artillerie aber bildete mit dem Train, den Brodbäckereien u. s. w. einebesondere Colonne, war aber häufiger, in Brigaden getheilt, bei denInfanteriebrigaden. Die preussische Armee übertraf andere Armeen auchin der Schnelligkeit und Grösse der forcirren Märsche.