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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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2. Das Kriegswesen und die Kriegskunst in der Periode von 17401792. 39

der Schlacht bei Collin der Fall war) und Friedrich IL würde es vielleichtvorgezogen haben, statt solcher gefährlichen Flankenbewegungen, ver-stärkte Flankenangriffe gegen eine oder die andere der feindlichen Flan-ken auszuführen.

Wenn man die hohe militärische Begabung und taktische Geschick-lichkeit Friedrich's IL, sowie den Umstand ins Auge fasst, dass damalsdie europäische Taktik einer raschen Vervollkommnung entgegenging,so erscheint es sonderbar und unbegreiflich, dass Friedrich die Kunstder Taktik nicht noch weiter ausgebildet und sich nicht an die praktischeLösung jener taktischen Fragen gemacht hat, auf welche sowohl Lloyd,als auch indirect die Debatten der französischen Theoretiker, noch mehraber der einfache gesunde (Menschenverstand und die Erfahrungen dervorhergegangenen letzten. Kriege hingewiesen hatten, und die erst sechsoder sieben Jahre nach seinem Tode ihre Erledigung fanden, nämlich :dass er nicht alle drei Aufstellungsarten, die deployirte, tiefe und auf-gelöste Kampfordnung vereinigt, dass er nicht zugleich mit der Vervoll-kommnung und Verstärkung des Gewehrfeuers der Infanterie auch denBajonnetangriff in Schlachtcolonnen eingeführt und vervollkommnet, end-lich dass er der aufgelösten Gefechtsordnung und den Operationen derleichten Infanterie nicht eine vollständigere und regelrechtere Entwicke-lung gegeben hat. Die Verdienste, die sich Friedrich IL um die Taktikerworben, sind unstreitig gross, glänzend; seine Taktik hatte jedocheinen nicht abzusprechenden Werth und eine entschiedene Ueberlegen-heit nur in den am Anfange dieser Periode geführten Kriegen, wo nochdie andern europäischen Truppen niedriger als die preussischen standen.Am Ende dieser Periode, als dieser Unterschied ausgeglichen war, verlorsie die Hälfte ihres Werthes, und in der folgenden Periode verschwandenunter den geänderten Verhältnissen ihre Spuren fast gänzlich. Auf diese"Weise gebührt Friedrich IL in vollem Maasse die Ehre und der Ruhmwohl eines Verbesserers, nicht aber eines Schöpfers der neueren europäi-schen Taktik, wie Viele seinerzeit dies zu beweisen bemüht waren.

Hinsichtlich der Taktik, bestanden im Allgemeinen die wichtigstenVerdienste Friedrich's IL in der Vervollkommnung der Aufstellung undOperationsart der Infanterie und Reiterei, sowie in der ausgezeichnetengemeinschaftlichen Verwendung aller drei Truppengattungen im Kampfe.

Zur taktischen Vervollkommnung der Truppen in dieser Periodetrugen ausser den in den Kriegen gemachten Erfahrungen die von Fried-rich IL zuerst in Preussen und dann nach seinem Beispiele auch in an-dern Staaten eingeführten Uebungslager, wie schon oben erwähnt, be-deutend bei. Diese Uebungslager, sowie die darin vorgenommenenExercitien und Manöver waren für die Truppen in jeder Hinsicht vongrossem Nutzen. Die preussischen Uebungslager waren besonders am