38 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
oder in befestigten Positionen, Dörfern, Wäldern, in Befestigungen,hinter und zwischen denselben kamen oft vor, und es war alsdannjede von den drei Truppengattungen mehr oder weniger kunstgerecht,der Oertlichkeit und den Verhältnissen entsprechend, aufgestellt. Diefranzösischen Armeen konnten in dem Zustande, in welchem sie sich be-fanden, mitErfolgnur in gedeckter Gegend, in Vertheidigungs-Positionen,operiren,
Das Manövriren und gemeinschaftliche Operiren der Truppen unddie Leitung derselben im Kampfe anlangend, konnte sich im Anfangedieser Periode mit Friedrich IL Niemand messen und vermochten garkeine andern Truppen mit den preussischen den Vergleich auszuhalten. Inder persönlichen Manövrirkunst Friedrich's, sowie in der Schnelligkeit,Präcision und Regelmässigkeit aller Bewegungen, Aufstellungen undEvolutionen seiner Truppen lagen auch die Haupttriebfedern, die diesenFürsten beständig anspornten, den Kampf zu suchen und mit deren Hülfeden Sieg zu erringen. Einen Hauptgrundzug des Manövrirens Fried-rich's IL und seiner Truppen im Kampfe bildeten die zuerst nach denGriechen und Römern erneuerten Flankenbewegungen und Flanken-angriffe in schräger Schlachtordnung. Sich dem Feinde in Marsch-colonnen nähernd, deployirte und stellte sich die preussische Ar-mee in Schlachtordnung auf, rückte in Linien im Flankenmarschgegen eine der feindlichen Flanken vor und nachdem sie sich inschräger Richtung oder perpendiculär zu derselben aufgestellt, griff siediese entweder mit der ganzen Linie oder (wie bei Leuthen) in Staffel-stellung an. So hauptsächlich war die Operationsart der preussischenArmee beschaffen, die aus besonderer Vorliebe von den Zeitgenossen undVerehrern Friedrich's IL hochgepriesen ward. Man erblickte aus-schliesslich in dieser Operationsart die Ursache der Siege Friedrich's IL,während sie in Wirklichkeit in seiner und der preussischen TruppenUeberlegenheit über ihre Gegner, d. h. in Friedrich's ungewöhnlichemFeldherrntalent und seiner Meisterschaft in der taktischen Kunst, so-wie in der besseren taktischen Eintheilung, Manövrirfähigkeit, grösse-ren Schnelligkeit der Bewegungen und Evolutionen, wie auch im prä-ciseren Gewehrfeuer seiner Truppen zu suchen war. Die Flanken-märsche und -Angriffe der preussischen Truppen in schräger Schlacht-ordnung waren unstreitig sehr kunstvoll, jedoch nur bedingungsweise,besonders in Anbetracht der ebenerwähnten Ueberlegenheit. Wenn dieFeldherren und Truppen. die gegen Friedrich IL und die preussischenTruppen operirten, diesen letzteren in allen oben hervorgehobenen Eigen-schaften nicht nachgestanden hätten, so würden die angesichts und fastunter dem Feuer des Feindes ausgeführten Flankenbewegungen denPreussen theuer zu stehen gekommen sein (wie dies auch wirklich in