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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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2. Das Kriegswesen und die Kriegskunst in der Periode von 17401792. 37

des siebenjährigen Krieges vom Grafen von Schaumburg-Lippe-Bücke-burg umgestaltet und ausgezeichnet eingerichtet.

§. 15.

Allgemeine Aufstellung, Bewegungs- und Operationsart aller dreiTruppengattungen und ganzer Armeen.

Obgleich bei allgemeiner Truppen-Aufstellung die Infanterie, wiefrüher, im Centrum und die Keiterei an den Flanken ihren Platz hatten,so wich Friedrich IL gänzlich von diesem alten Gebrauch, oder bessergesagt Vorurtheil ab, indem er für gewöhnlich seine Truppen folgender-massen aufstellte: die Infanterie in zwei deployirten Linien und dieReiterei hinter den Linien der Infanterie, entweder in den Intervallenoder in der zweiten Linie mit der Infanterie zusammen in einigen de-ployirten von einander ziemlich entfernten Linien. In den andern Ar-meen hingegen, besonders in der österreichischen, wurden die Liniender Reiterei gewöhnlich sehr nahe neben einander aufgestellt. DieFlanken der Infauterielinien deckte Friedrich IL durch Grenadierbatail-lone , die manchmal nach hinten umgebogen waren (en potenee). DieBataillone waren bei der allgemeinen Aufstellung immer deployirt, bis-weilen aber hatte man (wie z. B. die Franzosen bei Rossbach thaten) eindeployirtes Bataillon zwischen zwei Bataillonen in Colonnen oder aufden Flanken der deployirten Bataillone in Colonnen aufgestellt. DieEscadronen der Reiterei stellten sich entweder mit Intervallen oder ohnediese auf (en mwaille, s. oben). Die Regimentsgeschütze befanden sichbei ihren Regimentern oder Bataillonen und die Positionsgeschütze con-centrirten sich an den vortheilhaftesten Punkten in grösseren oder klei-neren, zuweilen sehr starken Batterien.

Die Carre-Formation wurde in den europäischen Kriegen von derInfanterie nur in den äussersten Fällen angewandt, wenn sie nämlichvon einer überlegenen Anzahl Reiterei in offener Gegend angegriffenwurde; in den Kriegen mit den Türken aber war die Carre-Formationvorherrschend und wurde fast ausschliesslich sowohl bei Märschen, alsauch zur Abwehr feindlicher Ueberfälle angewandt. Anfangs marschirtenund kämpften die Armeen in einigen grossen Carres , in deren Mitte dieReiterei und der Train placirt waren; in der Folge aber hatte man, nachdem Beispiele der Russen, die Grösse der Carres vermindert und dieAnzahl derselben vermehrt.

Bedeutend mehr als früher wurde bei der Gefechtstaufstellung derArmeen auf die Oertlichkeit Rücksicht genommen. Fälle von Truppen-und Armee-Aufstellungen in Gefechtsordnung in zerklüftetem Terrain